# Richtofferte: ein Wort ohne Gesetz.

Quelle: https://kidesk.ch/glossar/richtofferte · Begriff · Thema: Offerten · Stand: 2026-09-21 · Herausgeber: KIDESK, Büro-Software für Schweizer Unternehmen

**Kurz gesagt:** Richtofferte ist ein Wort aus der Praxis und nicht aus dem Gesetz. Gemeint ist ein Richtpreis: eine Zahl, die dem Kunden die Grössenordnung zeigt, ohne dich auf den Franken zu binden. Rechtlich landest du damit in aller Regel beim **ungefähren Ansatz**: Ist der Preis zum Voraus nur ungefähr bestimmt, wird er nach dem Wert der Arbeit und deinen Aufwendungen festgesetzt (Obligationenrecht, OR, Art. 374). Wird er ohne Zutun des Bestellers unverhältnismässig überschritten, hat dieser Rechte (OR Art. 375). Massgebend ist nicht die Überschrift, sondern was ihr vereinbart habt.

## Warum das Wort gefährlich ist

Das Obligationenrecht kennt weder Richtofferte noch Richtpreis noch Kostendach. Es kennt drei Situationen: die zum Voraus genau bestimmte Vergütung (OR Art. 373), den ungefähren Ansatz (OR Art. 374 und 375) und den Fall, dass gar kein Preis vereinbart wurde (OR Art. 374). Das Wort Richtofferte fällt in keine dieser Schubladen von selbst. Es wird einsortiert, und zwar im Streitfall von jemand anderem als dir.

Dazu kommt ein Missverständnis, das mit jedem solchen Dokument mitfährt: Dein Kunde liest eine Zahl und merkt sich diese Zahl. Dass der Betrag nur die Grössenordnung meint, steht in deinem Kopf und oft nur dort. Genau darum entsteht der Streit selten über das Recht und fast immer über die Erwartung.

## Wie das Dokument gelesen wird

| Was auf dem Dokument steht | Wie es in aller Regel gelesen wird | Was das für dich heisst |
| --- | --- | --- |
| «Richtofferte», Positionen mit Mengen und Einheitspreisen, Annahmen genannt | Verabredeter ungefährer Ansatz | Abrechnung nach Aufwand, Überschreitung nach OR Art. 375 messbar |
| «Richtofferte» und «Pauschalpreis» im selben Dokument | Widerspruch, der Vertrag und die Umstände entscheiden | Offener Ausgang. Nach einer Auslegungsregel der Rechtsprechung geht eine unklare Formulierung eher zulasten dessen, der sie verfasst hat |
| «Richtofferte» mit einer einzigen Summe, ohne Mengen | Kaum ein verabredeter Ansatz | Später lässt sich nicht feststellen, was überschritten wurde |

Wie viel Abweichung zulässig ist und was der Kunde verlangen kann, steht im Ratgeber [Richtofferte: wie stark darf die Rechnung abweichen](https://kidesk.ch/ratgeber/richtofferte-und-abweichung).

## Was du stattdessen hinschreibst

Behalte das Wort Richtofferte, wenn dein Kunde es so kennt, aber erklär in zwei Sätzen, was gilt. Die Grundlage, die Art der Abrechnung und der Moment, in dem du dich meldest: Mehr braucht es nicht.

**Kopfzeile einer Richtofferte**

```text
Richtofferte Nr. 2026-0091 vom 21.09.2026, gültig bis 21.10.2026.

Die Beträge beruhen auf den aufgeführten Mengen und Annahmen. Es handelt sich um einen ungefähren Kostenansatz und nicht um einen Festpreis. Abgerechnet wird nach tatsächlichem Aufwand zu den aufgeführten Ansätzen. Zeichnet sich ab, dass der Ansatz nicht ausreicht, melden wir uns vor der Ausführung schriftlich bei Ihnen, mit dem neuen Betrag und dem Grund.

Nicht enthalten: [Positionen aufzählen].
```

> Wer Sicherheit verkaufen will, offeriert verbindlich und nimmt dafür einen Zuschlag. Wer den Umfang wirklich nicht kennt, nimmt den [Kostenvoranschlag](https://kidesk.ch/glossar/kostenvoranschlag) und meldet sich früh. Die Richtofferte liegt dazwischen und ist deshalb das Dokument, das am häufigsten missverstanden wird.

## Häufige Fragen

### Ist eine Richtofferte verbindlich?

An den Betrag bindet sie dich nicht wie ein Festpreis, denn abgerechnet wird nach Aufwand (OR Art. 374). An den Vertragsschluss bindet sie dich sehr wohl: Solange du keinen Vorbehalt wie «freibleibend» anbringst und sich auch keiner aus der Natur des Geschäfts oder den Umständen ergibt, ist sie ein Antrag, und die Annahme des Kunden schliesst den Vertrag (OR Art. 3 und 7).

### Was ist der Unterschied zwischen Richtofferte und Kostenvoranschlag?

Rechtlich in aller Regel keiner: Beide sind ein ungefährer Ansatz nach OR Art. 374. Der Unterschied liegt im Sprachgebrauch. Kostenvoranschlag ist der gebräuchlichere Begriff und liegt näher beim Gesetz, dessen Randtitel zu Artikel 375 vom «Kostenansatz» spricht. Richtofferte ist ein Wort der Branche.

### Darf die Rechnung 20 Prozent über der Richtofferte liegen?

Es kommt darauf an, woher die Differenz stammt. Mehrkosten, die dein Kunde selbst bestellt hat, zählen nicht mit, weil OR Art. 375 nur die Überschreitung «ohne Zutun des Bestellers» erfasst. Für den Rest gibt es keine Prozentgrenze im Gesetz, sondern eine Beurteilung des Einzelfalls.

### Wie halte ich eine Mehrmenge von einer Zusatzbestellung auseinander?

Eine Mehrmenge ist dieselbe Leistung in grösserem Umfang, zum Beispiel zwanzig Quadratmeter mehr Wandfläche zum vereinbarten Einheitspreis. Eine Zusatzbestellung ist eine Leistung, die im Ansatz gar nicht enthalten war. Die erste rechnest du über das Ausmass ab, die zweite gehört als [Nachtrag](https://kidesk.ch/glossar/nachtrag) mit eigenem Datum auf den Beleg.

## Quellen

- [Obligationenrecht (OR), Art. 373: feste Übernahme der Vergütung](https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/27/317_321_377/de#art_373)
- [Obligationenrecht (OR), Art. 374: Festsetzung nach dem Wert der Arbeit](https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/27/317_321_377/de#art_374)
- [Obligationenrecht (OR), Art. 375: Rücktritt wegen Überschreitung des Kostenansatzes](https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/27/317_321_377/de#art_375)
- [Obligationenrecht (OR), Art. 7: Antrag ohne Verbindlichkeit](https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/27/317_321_377/de#art_7)

Dieser Text ist eine allgemeine Information für Schweizer Unternehmen und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall.
