Was ein Leistungsverzeichnis ist
Bei grösseren Bauvorhaben schreibt die Bauherrschaft oder ihre Planerin die Arbeiten aus. Was du bekommst, ist ein Leistungsverzeichnis, kurz LV, auch Devis genannt: eine durchnummerierte Liste aller Positionen mit Beschrieb, Menge und Einheit, aber ohne Preise. Deine Aufgabe ist es, die Preisspalte auszufüllen. Sonst nichts.
Genau das ist der Sinn der Sache. Die Bauleitung will drei bis fünf Eingaben nebeneinanderlegen und Position für Position vergleichen. Das geht nur, wenn alle Eingaben dieselbe Struktur haben. Jede Abweichung macht deine Offerte schwerer vergleichbar, und schwer vergleichbar heisst in der Regel: aussortiert.
NPK und SIA 451
Viele Leistungsverzeichnisse in der Schweiz sind nach dem NPK aufgebaut, dem Normpositionen-Katalog des CRB. Der NPK gibt standardisierte Positionstexte und eine Nummerierung vor, damit «Wandanschluss dicht ausbilden» bei allen dasselbe heisst. Kapitel und Positionen tragen dabei strukturierte Codes, die von der Ausschreibung bis zur Abrechnung mitlaufen.
SIA 451 ist das Austauschformat, in dem Leistungsverzeichnisse zwischen Programmen weitergegeben werden. Bekommst du eine 451-Datei, ist das die gute Nachricht: die Struktur steht dann maschinenlesbar drin, du musst sie nicht abtippen. Bekommst du nur ein PDF, musst du es einlesen oder erfassen, und dabei entstehen die meisten Fehler.
Du musst den NPK nicht auswendig können. Du musst nur wissen, dass die Nummern und Texte nicht dir gehören.
Die Codes des Bauherrn übernehmen
Das ist die wichtigste Regel dieses ganzen Ratgebers: Nimm die Positionsnummern und Texte so, wie sie in der Ausschreibung stehen. Nicht umnummerieren, nicht zusammenfassen, nicht neu formulieren, auch dann nicht, wenn deine eigene Systematik schöner wäre.
- Keine eigenen Laufnummern neben oder statt der Codes. Eine erfundene Nummer 10, 20, 30 neben einem NPK-Code macht die Eingabe unlesbar
- Positionen ohne Code drucken keine Nummer. Das ist normal und darf so bleiben
- Positionstexte nicht kürzen. Der Text ist Vertragsinhalt, nicht Dekoration
- Nichts weglassen. Willst du eine Leistung nicht erbringen, schreibst du es als Vorbehalt auf ein eigenes Blatt, statt die Position stillschweigend zu streichen
- Reihenfolge und Kapitelgliederung bleiben. Die Bauleitung liest von oben nach unten mit ihrem eigenen Ausdruck daneben
Kapitel, Zwischentotale und Deckblatt
Ein LV ist in Kapitel gegliedert. Jedes Kapitel bekommt ein Zwischentotal, und vorne gehört ein Deckblatt mit der Zusammenstellung: alle Kapitel mit ihren Summen, darunter die Mehrwertsteuer und das Gesamttotal, dazu die Zahlungsangaben.
Der Grund ist praktisch. Die Bauleitung will auf einer Seite sehen, wo du teuer und wo du günstig bist, ohne vierzig Seiten zu blättern. Eine Eingabe ohne Zusammenstellung wirkt unfertig, selbst wenn alle Zahlen stimmen. Die Positionen folgen ab Seite zwei.
Einheitspreise, Pauschalen und Regie
Einheitspreise sind der Normalfall im LV: Du gibst den Preis je Einheit an, abgerechnet wird nach dem tatsächlichen Ausmass. Steigt die Menge, steigt dein Umsatz. Der Preis je Einheit muss deshalb auch bei der Hälfte der Menge noch aufgehen.
Pauschalen sind fest, unabhängig vom Ausmass. Sie sind bequem für den Bauherrn und riskant für dich, weil jede Unterschätzung an dir hängen bleibt. Pauschalen gehören dorthin, wo der Umfang wirklich klar ist.
Bedarfspositionen werden nur ausgeführt, wenn sie gebraucht werden, müssen aber bepreist sein. Und Regiearbeiten sind Stunden, die nach Aufwand abgerechnet werden: hier trägst du deine Stundensätze für Personal und Maschinen ein. Wie du diese Sätze sauber herleitest, steht im Ratgeber Stundensatz berechnen.
Die Fehler, die eine Eingabe kosten
- Eigene AGB unter ein LV legen. Bei einer Ausschreibung gelten die Bedingungen des Bauherrn. Wer seine eigenen anhängt, produziert einen Widerspruch, der im besten Fall ignoriert und im schlimmsten Fall als Vorbehalt gewertet wird
- Positionen leer lassen. Eine leere Preisspalte kann als unvollständige Eingabe gelten
- Den Nachlass am Schluss draufschlagen, statt die Preise zu rechnen. Bei einem Ausmassvertrag verschiebt ein pauschaler Abzug später jede Abrechnung
- Die Eingabefrist unterschätzen. Formfehler beim Termin sind der häufigste Ausschlussgrund und der ärgerlichste
- Ohne Nachkalkulation weitermachen. Wer nach dem Auftrag nie prüft, ob die Einheitspreise gehalten haben, offeriert beim nächsten Mal wieder gleich
Vor dem Abgeben prüfen [ ] Jede Position hat einen Preis. Auch die, die du nicht ausführen willst [ ] Positionsnummern und Texte sind unverändert übernommen [ ] Bedarfspositionen sind bepreist, aber nicht ins Total gerechnet [ ] Regiesätze für Stunden und Maschinen sind eingetragen [ ] Zwischentotal je Kapitel stimmt mit der Zusammenstellung überein [ ] Deckblatt mit Kapitelsummen, MwSt und Gesamttotal liegt vorne [ ] Zahlungskonditionen entsprechen den Vorgaben der Ausschreibung [ ] Verlangte Beilagen sind dabei: Referenzen, Nachweise, Termine [ ] Vorbehalte und Abweichungen stehen auf einem eigenen Blatt [ ] Eingabefrist, Form und Adresse stimmen mit den Unterlagen überein
So macht es KIDESK
Häufige Fragen
Was ist der NPK?
Der Normpositionen-Katalog des CRB gibt standardisierte Positionstexte und eine Nummerierung für Bauleistungen vor. Er sorgt dafür, dass eine Position bei allen Anbietern dasselbe bedeutet und die Bauleitung Eingaben Zeile für Zeile vergleichen kann. Du musst ihn nicht auswendig können, du musst ihn nur übernehmen.
Darf ich eigene Positionsnummern vergeben?
Nein. Nummern und Texte gehören dem Bauherrn, und Abweichungen machen deine Eingabe schwer vergleichbar. Positionen ohne Code drucken einfach keine Nummer, das ist normal und darf so bleiben.
Was ist SIA 451?
Das Austauschformat, in dem Leistungsverzeichnisse zwischen Programmen weitergegeben werden. Bekommst du eine solche Datei, steht die Struktur maschinenlesbar darin und du musst sie nicht abtippen. Bekommst du nur ein PDF, musst du es einlesen, und dabei entstehen die meisten Fehler.
Was ist der Unterschied zwischen Einheitspreis und Pauschale?
Beim Einheitspreis gibst du den Preis je Einheit an und abgerechnet wird nach dem tatsächlichen Ausmass. Die Pauschale ist ein fester Betrag, unabhängig vom Ausmass. Pauschalen gehören dorthin, wo der Umfang wirklich klar ist, sonst bleibt jede Unterschätzung an dir hängen.
Kann ich meine eigenen AGB an eine Eingabe anhängen?
Besser nicht. Bei einer Ausschreibung gelten die Bedingungen des Bauherrn, eigene Geschäftsbedingungen erzeugen einen Widerspruch. Willst du etwas anders halten, schreibst du es als Vorbehalt auf ein eigenes Blatt, damit es sichtbar verhandelt wird.
Was mache ich mit Positionen, die ich nicht ausführen will?
Nicht stillschweigend streichen. Bepreise sie oder halte auf einem eigenen Blatt fest, dass und warum du sie nicht anbietest. Eine leere Preisspalte kann als unvollständige Eingabe gelten und zum Ausschluss führen.
