Die Formel
Der Stundensatz ist keine Marktzahl, sondern deine Zahl. Er entsteht aus zwei Grössen: was ein Mitarbeiter dich im Jahr kostet, und wie viele Stunden du davon einem Kunden verrechnen kannst.
Jahreskosten geteilt durch verrechenbare Stunden ergibt den Kostensatz. Darauf kommt der Gewinnzuschlag, und heraus kommt der Satz, den du offerierst. Alles andere sind Verhandlungen.
Schritt 1: die Jahreskosten
Der Bruttolohn ist nur der Anfang. Dazu kommen die Sozialleistungen und Versicherungen, je nach Betrieb und Branche grob zwanzig Prozent des Lohns. Und dazu kommt der Anteil an allem, was der Betrieb sonst zahlt, damit dieser Mitarbeiter arbeiten kann.
- Lohn und Lohnnebenkosten: Bruttolohn, AHV, ALV, Pensionskasse, Unfall- und Krankentaggeldversicherung, Familienzulagen
- Fahrzeug und Werkzeug: Leasing oder Abschreibung, Treibstoff, Service, Versicherung, Ersatz von Maschinen und Handwerkzeug, Arbeitskleider
- Betrieb und Büro: Miete für Werkstatt und Lager, Strom, Telefon, Software, Betriebshaftpflicht, Treuhand, Weiterbildung
- Dein eigener Aufwand: die Stunden, die du für Offerten, Rechnungen, Disposition und Baustellenbesuche brauchst. Die verrechnest du niemandem, bezahlen muss sie trotzdem jemand
Die Gemeinkosten verteilst du auf die produktiven Mitarbeiter. Bei drei Monteuren und CHF 79'200.00 Gemeinkosten sind das CHF 26'400.00 pro Kopf.
Schritt 2: die verrechenbaren Stunden
Hier passiert der eigentliche Fehler. Ein Jahr hat bei 42 Wochenstunden rund 2'184 Sollstunden. Davon bleiben nach Ferien, Feiertagen und Absenzen etwa 1'858 Stunden Anwesenheit. Und von dieser Anwesenheit ist längst nicht alles verrechenbar.
Fahrten, Rüstzeit, Material holen, Werkstattarbeit, Aufräumen, Sitzungen, Garantiearbeit, Weiterbildung: das alles ist Arbeit, aber kein Umsatz. Ein realistischer Anteil verrechenbarer Stunden liegt je nach Gewerk zwischen siebzig und achtzig Prozent. Wer mit 2'184 Stunden rechnet, rechnet mit einer Zahl, die es nicht gibt, und wundert sich am Jahresende.
Stundensatz berechnen, Rechenblatt A Jahreskosten des Mitarbeiters Bruttolohn 78'000.00 Sozialleistungen und Versicherungen, rund 20 % 15'600.00 Anteil Fahrzeug, Werkzeug, Kleider 9'600.00 Anteil Büro, Software, Versicherung, Verwaltung 16'800.00 Total Jahreskosten 120'000.00 B Verrechenbare Stunden Sollstunden 42 h x 52 Wochen 2'184 ./. Ferien, 5 Wochen -210 ./. Feiertage, 9 Tage -76 ./. Krankheit, Absenzen, Weiterbildung -40 Anwesenheit 1'858 davon verrechenbar, 78 % 1'450 C Kostensatz A geteilt durch B 82.76 D Gewinnzuschlag 12 % 9.93 E Stundensatz gerundet 95.00
In diesem Beispiel liegt der reine Kostensatz bei CHF 82.76. Wer CHF 80.00 offeriert, arbeitet mit Verlust und merkt es nicht, weil der Umsatz stimmt.
Schritt 3: der Gewinnzuschlag
Der Kostensatz deckt die Kosten. Er enthält keinen Rappen für das Risiko, für Investitionen, für schlechte Monate und für den Lohn, den du dir selbst schuldest. Dafür ist der Gewinnzuschlag da. Zehn bis fünfzehn Prozent sind ein üblicher Ansatz, mehr, wenn du in einem Gewerk mit hohem Risiko unterwegs bist.
Runde danach auf einen sauberen Betrag. Ein Satz von CHF 95.00 wirkt gerechnet, CHF 92.69 wirkt willkürlich. Und prüfe die Zahl einmal im Jahr neu: Löhne steigen, Versicherungen steigen, Fahrzeuge werden teurer.
Ein Satz genügt nicht
In der Praxis brauchst du mehrere Sätze, und sie stehen in einer klaren Rangfolge. Am Anfang steht immer die Kondition, die du mit dem Kunden ausgehandelt hast. Sie schlägt alles andere, denn ein ausgehandelter Preis darf nicht von einer Qualifikationsstufe überschrieben werden. Erst danach kommt der Satz des Mitarbeiters, dann der Satz einer bestimmten Leistung aus dem Katalog, dann der Satz des Betriebs.
- Nach Qualifikation: Lernender, Monteur, Vorarbeiter, Chef. Die Differenz gehört auf die Offerte, nicht in den Mittelwert
- Nach Leistung: Servicearbeit, Regie, Notfalleinsatz
- Nach Kunde: Rahmenverträge und Stammkunden mit fixen Konditionen
- Zuschläge für Nacht-, Wochenend- und Feiertagsarbeit kommen obendrauf, siehe den Ratgeber zu den Zuschlägen
Kostensatz und Verrechnungssatz nie verwechseln
Die CHF 82.76 aus dem Beispiel sind deine interne Zahl. Sie dient der Nachkalkulation und geht niemanden ausser dir und deiner Treuhänderin etwas an. Auf die Rechnung gehört ausschliesslich der Verrechnungssatz.
Wer die beiden Zahlen im selben Feld führt, druckt früher oder später seine Lohnkosten auf eine Kundenrechnung. Das ist ein Fehler, den man genau einmal macht.
Dieselbe Trennung gilt für die Zeiterfassung. Der Monteur schreibt Stunden auf, nicht Beträge. Was daraus wird, entscheidet sich später beim Verrechnen, und dort greift die Rangfolge oben. So kann auch niemand versehentlich einen Preis nennen, der nicht gilt.
So macht es KIDESK
Häufige Fragen
Wie berechne ich meinen Stundensatz?
Jahreskosten geteilt durch verrechenbare Stunden ergibt den Kostensatz, darauf kommt der Gewinnzuschlag. Zu den Jahreskosten gehören Lohn und Lohnnebenkosten, Fahrzeug, Werkzeug und der Anteil an Büro, Software und Versicherungen. Verrechenbar sind je nach Gewerk siebzig bis achtzig Prozent der Anwesenheitsstunden.
Wie viele Stunden kann ich im Jahr verrechnen?
Bei 42 Wochenstunden hat ein Jahr rund 2'184 Sollstunden. Nach Ferien, Feiertagen und Absenzen bleiben etwa 1'858 Stunden Anwesenheit, und davon sind Fahrten, Rüstzeit, Werkstattarbeit und Sitzungen abzuziehen. Realistisch bleiben rund 1'400 bis 1'500 verrechenbare Stunden.
Wie hoch soll der Gewinnzuschlag sein?
Zehn bis fünfzehn Prozent sind ein üblicher Ansatz, mehr in Gewerken mit hohem Risiko. Der Zuschlag deckt Risiko, Investitionen, schlechte Monate und deinen eigenen Lohn. Runde danach auf einen sauberen Betrag, das wirkt gerechnet statt willkürlich.
Brauche ich für jeden Mitarbeiter einen eigenen Satz?
Sinnvollerweise ja, gestaffelt nach Qualifikation. Dazu kommen Sätze für bestimmte Leistungen wie Service oder Regie. Am Anfang der Rangfolge steht aber immer die Kondition, die du mit dem Kunden ausgehandelt hast: sie schlägt alle anderen Sätze.
Darf der interne Kostensatz auf die Rechnung?
Nein, niemals. Der Kostensatz ist deine interne Zahl für die Nachkalkulation, auf die Rechnung gehört ausschliesslich der Verrechnungssatz. Wer beide Zahlen im selben Feld führt, druckt früher oder später seine Lohnkosten auf eine Kundenrechnung.
