Warum es diese Rechenart gibt
Stunden und Minuten zählen im Sechziger-Takt, Franken und Rappen im Hunderter-Takt. Wer eine Woche Arbeitszeit addieren und anschliessend mit einem Stundenansatz multiplizieren will, stolpert genau an dieser Stelle. Die Industriezeit löst das, indem sie den Teil hinter dem Doppelpunkt als Hundertstel schreibt. Danach ist jede Zeit eine gewöhnliche Dezimalzahl: addieren, multiplizieren, fertig. Stempeluhren und Zeiterfassungsgeräte rechnen aus demselben Grund oft in Hundertsteln.
Der Name führt in die Irre: Eine Industrieminute ist keine Minute, sondern ein Hundertstel einer Stunde. Sie ist kürzer als die echte Minute, nämlich 36 Sekunden lang.
Hin und zurück rechnen
- Von echten Minuten zu Industrieminuten: Minuten geteilt durch 0.6. Aus 45 Minuten werden 75 Industrieminuten, also 0.75 Stunden.
- Von Industrieminuten zu echten Minuten: Industrieminuten mal 0.6. Aus 0.40 Stunden werden 24 Minuten.
- Von Sekunden zu Industrieminuten: Sekunden geteilt durch 36. Aus 90 Sekunden werden 2.5 Industrieminuten.
| Echte Minuten | Industrieminuten | Geht die Zahl glatt auf? |
|---|---|---|
| 3 | 5 | ja |
| 5 | 8.33 | nein |
| 6 | 10 | ja |
| 10 | 16.67 | nein |
| 15 | 25 | ja |
| 20 | 33.33 | nein |
| 30 | 50 | ja |
| 45 | 75 | ja |
Was sie für die Arbeitszeiterfassung bedeutet
Erfassen darfst du in Industriezeit. Verlangt ist aber mehr als eine Summe: Aus den Unterlagen müssen die geleistete tägliche und wöchentliche Arbeitszeit samt ihrer Lage hervorgehen, dazu die Pausen von einer halben Stunde und mehr (ArGV 1 Art. 73 Abs. 1). Die Lage sind Uhrzeiten. Ein Blatt, auf dem nur 8.50 steht, genügt darum im Normalfall nicht; 07:00 bis 16:00 Uhr mit 30 Minuten Pause und daneben 8.50 Stunden genügt. Die Ausnahme ist die vereinfachte Erfassung: In einem Betrieb mit weniger als 50 Beschäftigten kann mit Leuten, die ihre Arbeitszeit zu einem namhaften Teil selbst festsetzen, schriftlich vereinbart werden, dass einzig die tägliche Gesamtarbeitszeit erfasst wird (ArGV 1 Art. 73b Abs. 1 und 3). Dann ist die blosse Summe genau das, was verlangt ist.
Zweite Regel: Runde erst am Schluss. Wer jeden Tag auf zwei Stellen rundet und dann addiert, bekommt eine Wochensumme, die um einige Minuten danebenliegt. Und was du dem Kunden verrechnest, hat mit der Erfassung nichts zu tun: Ob im Viertelstundentakt oder in Zehntelstunden abgerechnet wird, ist eine Abrede in der Offerte.
Häufige Fragen
Wie viele Sekunden hat eine Industrieminute?
36 Sekunden. Sie ist ein Hundertstel einer Stunde, und 3600 Sekunden geteilt durch 100 ergeben 36. Hundert Industrieminuten ergeben zusammen eine Stunde.
Wie rechne ich 45 Minuten in Industrieminuten um?
45 geteilt durch 0.6 ergibt 75 Industrieminuten, also 0.75 Stunden. Der gleiche Weg funktioniert überall: echte Minuten geteilt durch 0.6. Zurück geht es mit mal 0.6.
Ist die Industrieminute eine gesetzliche Einheit?
Nein. Die Einheitenverordnung führt als Zeiteinheiten die Minute mit 60 Sekunden, die Stunde mit 3600 Sekunden und den Tag (Art. 15). Die Industrieminute ist eine betriebliche Schreibweise, keine amtliche Einheit. Verboten ist sie deswegen nicht.
Warum steht auf meinem Zeiterfassungsblatt 7.75 statt 7:45?
Weil das Gerät in Industriezeit rechnet. 45 echte Minuten sind 75 Industrieminuten, geschrieben als 0.75 Stunden. Rechne nicht zurück, sondern multipliziere direkt mit dem Stundenansatz: Genau dafür ist die Schreibweise gemacht.
Quellen
Dieser Text ist eine allgemeine Information für Schweizer Unternehmen und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall. Wenn dir ein Fehler auffällt, schreib uns, wir korrigieren ihn.
