Begriff

Deckungsbeitrag: was nach den variablen Kosten bleibt.

Kurz gesagt

Der Deckungsbeitrag ist der Preis minus die variablen Kosten, also der Betrag in Franken, den ein Auftrag zur Deckung deiner Fixkosten beiträgt. Ein Auftrag über CHF 1'200.00 mit CHF 736.00 variablen Kosten bringt CHF 464.00 Deckungsbeitrag, das sind 38.67 Prozent. Gewinn entsteht erst, wenn die Summe aller Deckungsbeiträge eines Jahres deine Fixkosten übersteigt. Ein Gesetz, das den Begriff definiert, gibt es nicht: Der Deckungsbeitrag ist ein Werkzeug der Kalkulation, keine Grösse des Rechnungslegungsrechts.

Stand: . Geprüft anhand der unten genannten Quellen.

Die Formel

Deckungsbeitrag gleich Erlös minus variable Kosten. Variable Kosten sind die Kosten, die nur wegen dieses Auftrags entstehen: Material, Fremdleistungen, Entsorgung, Spesen und die Lohnstunden, die du für ihn einsetzt. Alles ohne Mehrwertsteuer, sonst rechnest du Geld mit, das der Steuerverwaltung gehört. Was übrig bleibt, ist noch kein Gewinn, sondern ein Beitrag an alles, was ohnehin läuft: Werkstattmiete, Fahrzeuge, Versicherungen, Büro, Software.

Zusatzauftrag am Freitagnachmittag
Preis ohne Mehrwertsteuer
CHF 1'200.00
Lohnkosten: 8 Stunden zu CHF 62.00 inklusive Arbeitgeberbeiträgen
CHF 496.00
Material zum Einkaufspreis
CHF 180.00
Entsorgung und Fahrt
CHF 60.00
Variable Kosten zusammen
CHF 736.00
Deckungsbeitrag, 38.67 Prozent des Preises
CHF 464.00

Fixkosten und variable Kosten auseinanderhalten

Das KMU-Portal des Bundes beschreibt Fixkosten als Kosten, die immer anfallen, unabhängig davon, wie viel produziert und an Umsatz erzielt wird, und nennt als Beispiele Miete, Leasingraten, Versicherungen sowie Strom- und Heizkosten. Variable Kosten entstehen dagegen nur im direkten Zusammenhang mit der Produktion oder der erbrachten Dienstleistung.

KostenartFix oder variabelIm Handwerk
Material und HandelswarevariabelFarbe, Kabel, Rohre, Platten, Pflanzen
FremdleistungenvariabelSubunternehmer, Gerüst, Mulde, Mietgerät
Löhne der produktiven Stundenim Kleinbetrieb praktisch fixDer Monteur wird auch bezahlt, wenn keine Arbeit da ist
Werkstatt, Lager, BürofixMiete, Strom, Versicherungen, Software
FahrzeugebeidesLeasing und Versicherung fix, Treibstoff variabel
Die dritte Zeile ist der Grund, warum die Lehrbuchrechnung im Kleinbetrieb selten aufgeht: Wer festangestellte Leute hat, trägt deren Lohn auch in einer leeren Woche. Für den Entscheid über einen einzelnen Zusatzauftrag zählen die Lohnstunden trotzdem als variabel, weil du sie in dieser Zeit sonst anders einsetzen könntest.

Break-even: ab wann du Gewinn machst

Teile deine Fixkosten durch den Deckungsbeitragssatz, und du hast den Umsatz, ab dem du nichts mehr zuzahlst. Das KMU-Portal des Bundes führt diese Rechnung an einem Betrieb mit 30 Prozent Deckungsbeitragssatz und CHF 60'000.00 Fixkosten vor und kommt auf eine Schwelle von CHF 200'000.00. Jeder Franken darüber bringt dir seinen Deckungsbeitrag als Gewinn, jeder Franken darunter fehlt.

DeckungsbeitragssatzNötiger Umsatz bei CHF 96'000.00 Fixkosten
30 %CHF 320'000.00
35 %CHF 274'285.71
40 %CHF 240'000.00
45 %CHF 213'333.33
Fünf Prozentpunkte mehr Deckungsbeitrag ersparen dir hier zwischen rund CHF 26'700.00 und rund CHF 45'700.00 Umsatz. Das ist der Grund, warum ein Rabatt teurer ist, als er aussieht: Er senkt genau die Grösse, durch die hier geteilt wird.

Wann ein Auftrag unter Vollkosten trotzdem richtig ist

Die nützlichste Eigenschaft des Deckungsbeitrags ist, dass er eine Entscheidung möglich macht. Ein Auftrag, der deinen vollen Stundenansatz nicht erreicht, ist nicht automatisch ein schlechter Auftrag. Entscheidend ist, ob er einen positiven Deckungsbeitrag bringt und ob du in dieser Zeit sonst nichts Besseres zu tun hättest.

  • Annehmen: Eine Woche ohne Auslastung, der Auftrag bringt CHF 464.00 Deckungsbeitrag. Ohne ihn bringt die Woche null, und die Fixkosten laufen trotzdem.
  • Nicht annehmen: Du hast volle Auftragsbücher. Jede Stunde, die in den günstigen Auftrag fliesst, fehlt beim besseren. Dann ist der Vergleich nicht «Auftrag gegen nichts», sondern «Auftrag gegen Auftrag».
  • Nie zum Dauerzustand machen: Der tiefe Preis von heute ist der Vergleichspreis von morgen. Wer dauerhaft nur Deckungsbeiträge sammelt, deckt nie die Fixkosten und finanziert das Wachstum mit Substanz.
  • Nie unter den variablen Kosten: Ein negativer Deckungsbeitrag bedeutet, dass jeder zusätzliche Auftrag den Verlust vergrössert. Mehr Umsatz macht es dann schlimmer, nicht besser.
Entscheide nach Franken, nicht nach Prozent. Ein Auftrag über CHF 800.00 mit 60 Prozent Deckungsbeitrag bringt CHF 480.00 ins Haus, ein Auftrag über CHF 6'000.00 mit 25 Prozent bringt CHF 1'500.00. Deine Fixkosten bezahlst du mit dem Betrag, nicht mit dem Satz. Der Satz hilft dir erst beim Vergleich von Aufträgen, die ähnlich viel Zeit brauchen.

Abgrenzung zu Marge, Bruttogewinn und Reingewinn

Der Deckungsbeitrag ist ein Frankenbetrag je Auftrag oder je Periode, die Marge dieselbe Idee in Prozent des Verkaufspreises. Bruttogewinn und Reingewinn stammen aus einer anderen Welt, nämlich aus der Jahresrechnung: Das Gesetz schreibt dort eine Mindestgliederung vor (OR Art. 959b), die Deckungsbeiträge gar nicht kennt: Sie ordnet den Aufwand nach Arten oder nach Funktionen, nicht nach Aufträgen. Wer beide Sprachen verwendet, sagt am besten dazu, welche gerade gemeint ist. Den Unterschied zwischen Marge und Aufschlag klärt die Frage Marge oder Aufschlag.

Häufige Fragen

Wie hoch soll mein Deckungsbeitrag sein?

Hoch genug, dass die Summe aller Deckungsbeiträge eines Jahres deine Fixkosten deckt und darüber hinaus etwas übrig lässt. Eine allgemeingültige Prozentzahl gibt es nicht, weil sie von deiner Fixkostenquote abhängt. Rechne rückwärts: Fixkosten geteilt durch den geplanten Umsatz ergibt den Deckungsbeitragssatz, den du mindestens brauchst.

Ist der Deckungsbeitrag dasselbe wie der Gewinn?

Nein, und der Unterschied ist zeitlich. Der Deckungsbeitrag entsteht bei jedem einzelnen Auftrag, der Gewinn erst am Ende des Jahres, wenn die Summe dieser Beiträge grösser ist als alle festen Kosten zusammen. Deshalb kann ein Betrieb mit lauter positiven Aufträgen ein Verlustjahr schreiben: Es waren zu wenige.

Was ist ein Deckungsbeitrag zweiter Stufe?

Eine feinere Rechnung: Auf der ersten Stufe ziehst du nur die direkt zurechenbaren variablen Kosten ab. Auf der zweiten Stufe ziehst du zusätzlich die Fixkosten ab, die sich einem Bereich zuordnen lassen, etwa dem Servicefahrzeug einer Equipe. Das zeigt, ob ein einzelner Geschäftszweig seine eigenen festen Kosten trägt.

Zähle ich die Löhne zu den variablen Kosten?

Für den Entscheid über einen einzelnen Auftrag ja, weil du die Stunden sonst anders einsetzen könntest. Für die Jahresbetrachtung eines Kleinbetriebs mit festangestellten Leuten sind Löhne eher fix: Sie laufen auch in einer leeren Woche. Rechne beide Sichten einmal durch, dann siehst du, welche Frage du gerade beantwortest.

Quellen

Dieser Text ist eine allgemeine Information für Schweizer Unternehmen und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall. Wenn dir ein Fehler auffällt, schreib uns, wir korrigieren ihn.

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