Die Formel
Deckungsbeitrag gleich Erlös minus variable Kosten. Variable Kosten sind die Kosten, die nur wegen dieses Auftrags entstehen: Material, Fremdleistungen, Entsorgung, Spesen und die Lohnstunden, die du für ihn einsetzt. Alles ohne Mehrwertsteuer, sonst rechnest du Geld mit, das der Steuerverwaltung gehört. Was übrig bleibt, ist noch kein Gewinn, sondern ein Beitrag an alles, was ohnehin läuft: Werkstattmiete, Fahrzeuge, Versicherungen, Büro, Software.
- Preis ohne Mehrwertsteuer
- CHF 1'200.00
- Lohnkosten: 8 Stunden zu CHF 62.00 inklusive Arbeitgeberbeiträgen
- CHF 496.00
- Material zum Einkaufspreis
- CHF 180.00
- Entsorgung und Fahrt
- CHF 60.00
- Variable Kosten zusammen
- CHF 736.00
- Deckungsbeitrag, 38.67 Prozent des Preises
- CHF 464.00
Fixkosten und variable Kosten auseinanderhalten
Das KMU-Portal des Bundes beschreibt Fixkosten als Kosten, die immer anfallen, unabhängig davon, wie viel produziert und an Umsatz erzielt wird, und nennt als Beispiele Miete, Leasingraten, Versicherungen sowie Strom- und Heizkosten. Variable Kosten entstehen dagegen nur im direkten Zusammenhang mit der Produktion oder der erbrachten Dienstleistung.
| Kostenart | Fix oder variabel | Im Handwerk |
|---|---|---|
| Material und Handelsware | variabel | Farbe, Kabel, Rohre, Platten, Pflanzen |
| Fremdleistungen | variabel | Subunternehmer, Gerüst, Mulde, Mietgerät |
| Löhne der produktiven Stunden | im Kleinbetrieb praktisch fix | Der Monteur wird auch bezahlt, wenn keine Arbeit da ist |
| Werkstatt, Lager, Büro | fix | Miete, Strom, Versicherungen, Software |
| Fahrzeuge | beides | Leasing und Versicherung fix, Treibstoff variabel |
Break-even: ab wann du Gewinn machst
Teile deine Fixkosten durch den Deckungsbeitragssatz, und du hast den Umsatz, ab dem du nichts mehr zuzahlst. Das KMU-Portal des Bundes führt diese Rechnung an einem Betrieb mit 30 Prozent Deckungsbeitragssatz und CHF 60'000.00 Fixkosten vor und kommt auf eine Schwelle von CHF 200'000.00. Jeder Franken darüber bringt dir seinen Deckungsbeitrag als Gewinn, jeder Franken darunter fehlt.
| Deckungsbeitragssatz | Nötiger Umsatz bei CHF 96'000.00 Fixkosten |
|---|---|
| 30 % | CHF 320'000.00 |
| 35 % | CHF 274'285.71 |
| 40 % | CHF 240'000.00 |
| 45 % | CHF 213'333.33 |
Wann ein Auftrag unter Vollkosten trotzdem richtig ist
Die nützlichste Eigenschaft des Deckungsbeitrags ist, dass er eine Entscheidung möglich macht. Ein Auftrag, der deinen vollen Stundenansatz nicht erreicht, ist nicht automatisch ein schlechter Auftrag. Entscheidend ist, ob er einen positiven Deckungsbeitrag bringt und ob du in dieser Zeit sonst nichts Besseres zu tun hättest.
- Annehmen: Eine Woche ohne Auslastung, der Auftrag bringt CHF 464.00 Deckungsbeitrag. Ohne ihn bringt die Woche null, und die Fixkosten laufen trotzdem.
- Nicht annehmen: Du hast volle Auftragsbücher. Jede Stunde, die in den günstigen Auftrag fliesst, fehlt beim besseren. Dann ist der Vergleich nicht «Auftrag gegen nichts», sondern «Auftrag gegen Auftrag».
- Nie zum Dauerzustand machen: Der tiefe Preis von heute ist der Vergleichspreis von morgen. Wer dauerhaft nur Deckungsbeiträge sammelt, deckt nie die Fixkosten und finanziert das Wachstum mit Substanz.
- Nie unter den variablen Kosten: Ein negativer Deckungsbeitrag bedeutet, dass jeder zusätzliche Auftrag den Verlust vergrössert. Mehr Umsatz macht es dann schlimmer, nicht besser.
Abgrenzung zu Marge, Bruttogewinn und Reingewinn
Der Deckungsbeitrag ist ein Frankenbetrag je Auftrag oder je Periode, die Marge dieselbe Idee in Prozent des Verkaufspreises. Bruttogewinn und Reingewinn stammen aus einer anderen Welt, nämlich aus der Jahresrechnung: Das Gesetz schreibt dort eine Mindestgliederung vor (OR Art. 959b), die Deckungsbeiträge gar nicht kennt: Sie ordnet den Aufwand nach Arten oder nach Funktionen, nicht nach Aufträgen. Wer beide Sprachen verwendet, sagt am besten dazu, welche gerade gemeint ist. Den Unterschied zwischen Marge und Aufschlag klärt die Frage Marge oder Aufschlag.
Häufige Fragen
Wie hoch soll mein Deckungsbeitrag sein?
Hoch genug, dass die Summe aller Deckungsbeiträge eines Jahres deine Fixkosten deckt und darüber hinaus etwas übrig lässt. Eine allgemeingültige Prozentzahl gibt es nicht, weil sie von deiner Fixkostenquote abhängt. Rechne rückwärts: Fixkosten geteilt durch den geplanten Umsatz ergibt den Deckungsbeitragssatz, den du mindestens brauchst.
Ist der Deckungsbeitrag dasselbe wie der Gewinn?
Nein, und der Unterschied ist zeitlich. Der Deckungsbeitrag entsteht bei jedem einzelnen Auftrag, der Gewinn erst am Ende des Jahres, wenn die Summe dieser Beiträge grösser ist als alle festen Kosten zusammen. Deshalb kann ein Betrieb mit lauter positiven Aufträgen ein Verlustjahr schreiben: Es waren zu wenige.
Was ist ein Deckungsbeitrag zweiter Stufe?
Eine feinere Rechnung: Auf der ersten Stufe ziehst du nur die direkt zurechenbaren variablen Kosten ab. Auf der zweiten Stufe ziehst du zusätzlich die Fixkosten ab, die sich einem Bereich zuordnen lassen, etwa dem Servicefahrzeug einer Equipe. Das zeigt, ob ein einzelner Geschäftszweig seine eigenen festen Kosten trägt.
Zähle ich die Löhne zu den variablen Kosten?
Für den Entscheid über einen einzelnen Auftrag ja, weil du die Stunden sonst anders einsetzen könntest. Für die Jahresbetrachtung eines Kleinbetriebs mit festangestellten Leuten sind Löhne eher fix: Sie laufen auch in einer leeren Woche. Rechne beide Sichten einmal durch, dann siehst du, welche Frage du gerade beantwortest.
Quellen
Dieser Text ist eine allgemeine Information für Schweizer Unternehmen und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall. Wenn dir ein Fehler auffällt, schreib uns, wir korrigieren ihn.
