Begriff

Gemeinkosten: die Kosten ohne Auftrag.

Kurz gesagt

Gemeinkosten sind Kosten, die sich keinem einzelnen Auftrag direkt zuordnen lassen: Büro, Werkstatt, Versicherungen, Software, Fahrzeuge, Verwaltung, Weiterbildung. Das Gegenstück sind die Einzelkosten, also Material und Arbeitsstunden eines bestimmten Auftrags. In den Preis kommen Gemeinkosten auf zwei Arten: als Betrag je verrechenbare Stunde, im Beispiel unten CHF 33.33, oder als Zuschlagssatz auf die Einzelkosten, hier 30 Prozent. Beides gleichzeitig anzuwenden ist der häufigste Fehler.

Stand: . Geprüft anhand der unten genannten Quellen.

Einzelkosten und Gemeinkosten

Die Einteilung beantwortet genau eine Frage: Kann ich diese Kosten einem bestimmten Auftrag zuordnen, ohne zu schätzen? Wenn ja, sind es Einzelkosten. Wenn nein, sind es Gemeinkosten. Das KMU-Portal des Bundes nennt als Gemeinkosten unter anderem Administration, Energie, Miete, Telefon, Versicherungen, Bürobedarf, Fahrzeuge, Werbung, Instandhaltung von Geräten sowie Treuhand und Buchhaltung.

KostenartEinzel- oder GemeinkostenBegründung
Farbe für Wohnung MeierEinzelkostenSteht auf dem Lieferschein, gehört zu diesem Auftrag
Stunden des Monteurs auf der BaustelleEinzelkostenStehen im Rapport, mit Datum und Auftrag
Rechnung des SubunternehmersEinzelkostenWurde für diesen Auftrag bestellt
Miete für Werkstatt und LagerGemeinkostenLäuft auch in einer Woche ohne Auftrag
Büro, Software, Telefon, TreuhandGemeinkostenKein Auftrag verursacht sie allein
Schrauben, Dübel, Klebeband aus dem FahrzeugGemeinkosten in der PraxisZuordenbar wäre es, aber der Aufwand lohnt sich nicht. Darum als Kleinmaterialpauschale
Die letzte Zeile zeigt, dass die Grenze auch eine Frage der Wirtschaftlichkeit ist. Wer jede Schraube einem Auftrag zuordnet, verbringt mehr Zeit mit Buchen als mit Arbeiten.

Gemeinkosten sind nicht dasselbe wie Fixkosten

Diese beiden Einteilungen werden im Alltag ständig verwechselt, obwohl sie verschiedene Fragen beantworten. Einzel- oder Gemeinkosten fragt, ob sich eine Kostenart einem Auftrag zuordnen lässt. Fix oder variabel fragt, ob sie mit der Beschäftigung steigt. Der Strom in der Werkstatt ist Gemeinkosten und zugleich teilweise variabel. Der Lohn eines festangestellten Monteurs ist im Kleinbetrieb praktisch fix und wird trotzdem als Einzelkosten auf Aufträge verrechnet. Welche Einteilung du brauchst, hängt von der Frage ab: Für den Preis die erste, für den Entscheid über einen Zusatzauftrag die zweite, siehe Deckungsbeitrag.

Zwei Wege in den Preis

Gemeinkosten verschwinden nicht, weil man sie nicht zuordnen kann. Sie müssen über die Aufträge hereinkommen, und dafür gibt es zwei gebräuchliche Wege. Entweder du verteilst sie auf die Stunden, die du verrechnen kannst, oder du schlägst sie prozentual auf die Einzelkosten auf.

Derselbe Betrieb, zwei Verteilungen
Gemeinkosten im Jahr
CHF 180'000.00
Weg 1: verrechenbare Stunden im Jahr
5'400 h
Gemeinkosten je verrechenbare Stunde
CHF 33.33
Weg 2: Einzelkosten im Jahr (Löhne der verrechneten Stunden und Material)
CHF 600'000.00
Gemeinkostenzuschlag auf die Einzelkosten
30.00 %
Beide Wege holen dieselbe Summe herein
CHF 180'000.00

Der Weg über die Stunde passt zu Unternehmen, deren Aufwand vor allem Arbeitszeit ist: Reinigung, Hauswartung, Beratung, Service. Der Zuschlagssatz passt dort, wo Material einen grossen Teil der Leistung ausmacht, etwa im Handel oder bei Anlagen mit teuren Komponenten. Entscheidend ist, dass du dich für einen Weg entscheidest und ihn im ganzen Betrieb gleich anwendest.

Achtung: Der häufigste Fehler ist die doppelte Verrechnung: Die Gemeinkosten stecken bereits im Stundenansatz, und zusätzlich wird ein Gemeinkostenzuschlag auf das Material gelegt, der dieselben Kosten noch einmal deckt. Die Offerte wird teuer, ohne dass jemand erklären kann, warum. Prüf einmal im Jahr, ob die Summe der eingerechneten Gemeinkosten ungefähr deinen tatsächlichen Gemeinkosten entspricht.

Wo du deine Gemeinkosten findest

In deiner Erfolgsrechnung, und zwar in den Positionen, die das Gesetz ohnehin verlangt. Die Mindestgliederung nach OR Art. 959b verlangt in der Produktionserfolgsrechnung, dass Personalaufwand, übriger betrieblicher Aufwand sowie Abschreibungen und Wertberichtigungen auf Positionen des Anlagevermögens je einzeln ausgewiesen werden. Das Wort Gemeinkosten kommt dort nicht vor: Die Zuordnung machst du selbst, indem du den Aufwand danach sortierst, ob er zu einem einzelnen Auftrag gehört oder nicht. Wer unter CHF 500'000.00 Umsatz liegt und nur Einnahmen und Ausgaben führt, nimmt die Ausgabenliste des Jahres als Grundlage.

Wie die Gemeinkosten in den Stundensatz kommen, zeigt der Ratgeber Stundenansatz für Handwerker. Den Aufschlag auf Material behandelt der Ratgeber Materialaufschlag kalkulieren, und den Unterschied zwischen Aufschlag und Marge erklärt der Begriff Kalkulationsaufschlag.

Häufige Fragen

Wie hoch sind die Gemeinkosten in einem typischen Kleinbetrieb?

Eine belastbare allgemeine Zahl gibt es nicht, und fremde Prozentsätze helfen dir nicht weiter, weil sie aus anderen Kostenstrukturen stammen. Rechne deine eigene: Nimm den Jahresaufwand, zieh Material, Fremdleistungen und die Löhne der verrechneten Stunden ab, und was übrig bleibt, sind deine Gemeinkosten.

Gehört mein eigener Lohn zu den Gemeinkosten?

Die Stunden, die du auf einer Baustelle oder bei einem Kunden arbeitest, sind Einzelkosten. Die Zeit für Offerten, Disposition, Einkauf, Rechnungen und Personalführung gehört zu den Gemeinkosten. Bei einer Einzelfirma steht dein Lohn nicht im Personalaufwand: Dann rechnest du ihn in der Kalkulation dazu, sonst fehlt er.

Kann ich Gemeinkosten dem Kunden separat verrechnen?

Nur, wenn es vereinbart ist und die Position einen erkennbaren Inhalt hat, etwa eine Kleinmaterialpauschale oder eine Anfahrtspauschale. Eine Zeile mit der Bezeichnung «Gemeinkosten» auf einer Kundenrechnung führt zu Rückfragen und ist schwer zu verteidigen. Der übliche Weg ist, sie in den Stundenansatz und in den Materialaufschlag einzurechnen.

Was ist der Unterschied zwischen Gemeinkosten und Overhead?

Nichts Inhaltliches. Overhead ist der englische Ausdruck für dieselbe Sache, und das KMU-Portal des Bundes nennt beide Begriffe nebeneinander. In Offerten und Verträgen ist das deutsche Wort besser, weil jeder darunter dasselbe versteht.

Quellen

Dieser Text ist eine allgemeine Information für Schweizer Unternehmen und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall. Wenn dir ein Fehler auffällt, schreib uns, wir korrigieren ihn.

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