Woher die Prozentzahlen kommen
Wer im Stundenlohn arbeitet, bekommt Geld nur für gearbeitete Stunden. In den Ferien arbeitet niemand, bezahlt werden müssen sie trotzdem. Der Zuschlag verteilt den Ferienlohn auf die Arbeitswochen: Ein Jahr hat 52 Wochen, bei fünf Wochen Ferien wird in 47 Wochen gearbeitet. Damit am Jahresende der Lohn für 52 Wochen zusammenkommt, braucht es auf den Lohn der 47 Arbeitswochen einen Zuschlag von 5 : 47, also 10.64 Prozent.
| Ferienwochen | Arbeitswochen | Rechnung | Zuschlag |
|---|---|---|---|
| 4 Wochen | 48 | 4 : 48 | 8.33 % |
| 5 Wochen | 47 | 5 : 47 | 10.64 % |
| 6 Wochen | 46 | 6 : 46 | 13.04 % |
- Stundenlohn ohne Ferienzuschlag
- CHF 32.00
- Ferienanspruch
- 5 Wochen
- Zuschlagssatz
- 10.64 %
- Ferienzuschlag je Stunde
- CHF 3.40
- Stundenlohn inklusive Ferienzuschlag
- CHF 35.40
Der gesetzliche Mindestanspruch
OR Art. 329a Abs. 1: Der Arbeitgeber hat dem Arbeitnehmer jedes Dienstjahr wenigstens vier Wochen Ferien zu gewähren, Arbeitnehmern bis zum vollendeten 20. Altersjahr wenigstens fünf Wochen. Für Lernende bis zum vollendeten 20. Altersjahr steht dasselbe in OR Art. 345a Abs. 3. Mehr ist erlaubt und in vielen Gesamtarbeitsverträgen vorgeschrieben, weniger nie. Für ein unvollständiges Dienstjahr sind die Ferien entsprechend der Dauer des Arbeitsverhältnisses zu gewähren (Abs. 3).
- Ferienanspruch pro Jahr
- 5 Wochen
- Bei einer Fünftagewoche sind das
- 25 Tage
- Beschäftigt im Kalenderjahr
- 7 Monate
- Rechnung
- 25 × 7 : 12
- Anteiliger Ferienanspruch
- 14.6 Tage
Ferientage hängen an der Zahl der Arbeitstage pro Woche. Fünf Wochen sind bei einer Fünftagewoche 25 Tage, bei drei Arbeitstagen pro Woche 15 Tage. Die Wochen bleiben gleich, die Tage nicht. Wer das verwechselt, gibt Teilzeitmitarbeitenden zu viele oder zu wenige Tage.
Darf der Ferienlohn mit dem Stundenlohn ausbezahlt werden?
Der Grundsatz steht in OR Art. 329d Abs. 2: Während der Dauer des Arbeitsverhältnisses dürfen die Ferien nicht durch Geldleistungen oder andere Vergünstigungen abgegolten werden. Ferien sind zur Erholung da, und Erholung gibt es nicht gegen Geld. Die Gerichtspraxis lässt eine Ausnahme zu, laut SECO bei Teilzeitarbeit mit unregelmässigen Pensen, und hält die Bedingungen eng. Das SECO nennt die formellen Anforderungen so: Die Ferienentschädigung muss zusätzlich zum Lohn bezahlt werden und sowohl im Arbeitsvertrag als auch auf jeder Lohnabrechnung gesondert aufgeführt sein, als Prozentsatz oder als Frankenbetrag.
- Nicht genug: Der Satz «Ferien im Stundenlohn inbegriffen» im Vertrag. Ohne ausgewiesenen Anteil gilt der Ferienlohn als nicht bezahlt, und der Betrieb zahlt am Ende zweimal.
- Nicht genug: Der Prozentsatz steht nur im Vertrag, aber auf keiner Lohnabrechnung.
- Materiell heikel: Die Rechtsprechung liess die Auszahlung nur bei unregelmässiger Beschäftigung zu. Bei einer Vollzeitstelle beim selben Arbeitgeber ist sie ausgeschlossen, auch wenn der Lohn von Monat zu Monat schwankt (Bundesgericht, Urteil 4A_357/2022 vom 30. Januar 2023).
- Immer nötig: Die Ferien müssen trotzdem bezogen werden. Bezahlt heisst nicht erledigt.
Was der Zuschlag nicht abdeckt
- Feiertage. Bezahlte Feiertage sind nicht im Ferienzuschlag enthalten. Wer sie im Stundenlohn abgelten will, braucht dafür einen eigenen Zuschlag und eine eigene Zeile auf der Lohnabrechnung.
- Dreizehnter Monatslohn. Auch er ist ein eigener Anspruch und nur geschuldet, wenn er vereinbart ist. Siehe den Rechner für den anteiligen dreizehnten Monatslohn.
- Sozialversicherungen. Auf dem Ferienzuschlag sind die üblichen Abzüge geschuldet, weil er Lohn ist: Das AHV-Gesetz zählt Ferien- und Feiertagsentschädigungen ausdrücklich zum massgebenden Lohn (AHVG Art. 5 Abs. 2).
- Kürzung bei langer Abwesenheit. OR Art. 329b erlaubt eine Kürzung der Ferien, wenn jemand während eines Dienstjahrs länger verhindert ist. Die Regeln dazu sind fein abgestuft und je nach Grund verschieden.
Häufige Fragen
Warum 10.64 Prozent und nicht 10 Prozent für fünf Wochen?
Weil der Zuschlag auf die Arbeitswochen gerechnet wird, nicht auf das ganze Jahr. Fünf von 52 Wochen sind zwar 9.6 Prozent, bezahlt wird der Zuschlag aber nur auf die 47 gearbeiteten Wochen. 5 : 47 ergibt 10.64 Prozent.
Gilt der Zuschlag auch für Mitarbeitende im Monatslohn?
Nein. Im Monatslohn läuft der Lohn während der Ferien einfach weiter, es braucht keinen Zuschlag. Der Ferienzuschlag ist nur ein Rechenweg für Löhne, die nach geleisteten Stunden bezahlt werden.
Wie viele Ferientage hat jemand mit einem 60-Prozent-Pensum an drei Tagen pro Woche?
Gleich viele Wochen wie alle anderen, aber weniger Tage. Bei vier Wochen Anspruch und drei Arbeitstagen pro Woche sind das zwölf Ferientage. Der Anspruch wird in Wochen gemessen, damit Teilzeit und Vollzeit gleich behandelt werden.
Darf ich nicht bezogene Ferien am Jahresende auszahlen?
Während des Arbeitsverhältnisses grundsätzlich nicht (OR Art. 329d Abs. 2). Resttage werden ins nächste Jahr übertragen und bezogen. Erst beim Austritt, wenn der Bezug nicht mehr möglich ist, werden die offenen Tage in Geld abgegolten.
Was passiert, wenn der Ferienanteil auf der Lohnabrechnung fehlt?
Dann gilt der Ferienlohn als nicht bezahlt. Die Person kann die Ferien nachträglich in Geld fordern, und der Betrieb zahlt denselben Betrag ein zweites Mal. Darum gehört der Anteil auf jede einzelne Abrechnung, als Prozentsatz oder als Betrag.
Quellen
- Obligationenrecht (OR), Art. 329a: Dauer der Ferien
- Obligationenrecht (OR), Art. 329d: Ferienlohn
- Obligationenrecht (OR), Art. 345a Abs. 3: Ferien der Lernenden
- SECO, Fragen und Antworten zu den Ferien im privaten Arbeitsrecht
- Bundesgesetz über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG), Art. 5 Abs. 2: massgebender Lohn
- ch.ch: Ferien, Feiertage und Arbeitsabwesenheiten
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