Begriff

Ferienzuschlag: der Ferienlohn, im Voraus bezahlt.

Kurz gesagt

Der Ferienzuschlag ist ein Prozentsatz, der zum Stundenlohn dazukommt und den Ferienlohn laufend mitbezahlt, statt ihn erst beim Ferienbezug auszurichten. Er entspricht der Zahl der Ferienwochen geteilt durch die Zahl der Arbeitswochen: bei vier Ferienwochen 8.33 Prozent (4 : 48), bei fünf 10.64 Prozent (5 : 47), bei sechs 13.04 Prozent (6 : 46). Zulässig ist er nur bei unregelmässigen Pensen und nur, wenn er im Arbeitsvertrag und auf jeder Lohnabrechnung gesondert ausgewiesen ist.

Stand: . Geprüft anhand der unten genannten Quellen.

Wer im Monatslohn angestellt ist, bekommt in den Ferien einfach seinen Lohn weiter. Im Stundenlohn geht das nicht: Wer nicht arbeitet, hat keine Stunden, und ohne Zuschlag wären die Ferien unbezahlt. Der Ferienzuschlag löst das, indem er den Ferienlohn auf jede gearbeitete Stunde verteilt.

Die Prozentsätze und woher sie kommen

FerienanspruchArbeitswochenRechnungZuschlag
4 Wochen (gesetzliches Minimum)484 : 488.33 %
5 Wochen475 : 4710.64 %
6 Wochen466 : 4613.04 %
Der gesetzliche Mindestanspruch beträgt vier Wochen pro Dienstjahr, bis zum vollendeten 20. Altersjahr fünf Wochen (OR Art. 329a Abs. 1). Vertrag oder Gesamtarbeitsvertrag dürfen mehr vorsehen.

Der häufigste Rechenfehler ist der Divisor. Wer 4 durch 52 teilt, kommt auf 7.69 Prozent und zahlt zu wenig. Das Jahr hat zwar 52 Wochen, bezahlt wird der Stundenlohn aber nur für die 48 Wochen, in denen tatsächlich gearbeitet wird. Auf diese 48 Wochen müssen die vier Ferienwochen verteilt werden, also 4 : 48.

Bodenleger im Stundenlohn, 168 Stunden im Monat
Stundenlohn brutto
CHF 32.00
Gearbeitete Stunden im Monat
168
Grundlohn (168 × CHF 32.00)
CHF 5'376.00
Ferienzuschlag 8.33 Prozent
CHF 447.82
Bruttolohn des Monats
CHF 5'823.82

Zuschlag heisst nicht «keine Ferien»

Der Zuschlag bezahlt die Ferien, er ersetzt sie nicht. Die Tage müssen trotzdem bezogen werden können; im Moment des Bezugs sind sie einfach schon abgegolten und werden nicht nochmals vergütet. Die Abgeltung von Ferien durch Geld ist während des Arbeitsverhältnisses grundsätzlich verboten (OR Art. 329d Abs. 2). Der Zuschlag ist die eng begrenzte Ausnahme der Gerichtspraxis für unregelmässige Pensen, mehr dazu unter Darf ich Ferien auszahlen statt gewähren?.

Achtung: Zwei Bedingungen, beide müssen erfüllt sein: Der Ferienanteil steht im Arbeitsvertrag und er steht auf jeder einzelnen Lohnabrechnung, als Prozentsatz oder als Frankenbetrag. Der Satz «Ferien im Stundenlohn inbegriffen» genügt nicht. Fehlt der Ausweis, riskiert der Betrieb laut SECO, die Ferien ein zweites Mal zu bezahlen.

Was der Ferienzuschlag nicht abdeckt

  • Feiertage. Sie sind nicht Ferien. Der Bundesfeiertag ist den Sonntagen gleichgestellt, und die Kantone können höchstens acht weitere Tage gleichstellen (ArG Art. 20a Abs. 1). Ob sie im Stundenlohn bezahlt werden und mit welchem Satz, regeln Vertrag oder Gesamtarbeitsvertrag.
  • Den 13. Monatslohn. Er ist eine eigene Vereinbarung und wird separat gerechnet.
  • Lohnfortzahlung bei Krankheit. Sie folgt OR Art. 324a und hat mit dem Ferienzuschlag nichts zu tun.
  • Den Feriensaldo. Auch mit Zuschlag musst du festhalten, wie viele Tage bezogen wurden. Sonst weisst du beim Austritt nicht, worüber ihr streitet.

Sozialversicherungsrechtlich ist der Ferienzuschlag normaler Lohn: Ferien- und Feiertagsentschädigungen gehören ausdrücklich zum massgebenden Lohn (AHVG Art. 5 Abs. 2). Er ist also beitragspflichtig für AHV, IV, EO, ALV, Unfallversicherung und, sofern die Schwelle erreicht ist, für die Pensionskasse. Die Prozentsätze für einzelne Fälle rechnet der Ferienlohn-Rechner aus.

Häufige Fragen

Warum 8.33 Prozent und nicht 7.69 Prozent?

Weil der Zuschlag auf den bezahlten Arbeitswochen liegt, nicht auf dem ganzen Jahr. Bei vier Ferienwochen bleiben 48 Arbeitswochen, auf die der Ferienlohn verteilt wird: 4 : 48 ergibt 8.33 Prozent. Die Rechnung 4 : 52 unterstellt, dass auch in den Ferien Stunden anfallen, und das stimmt nicht.

Gilt der Ferienzuschlag auch im Monatslohn?

Nein. Im Monatslohn läuft der Lohn während der Ferien ohnehin weiter, der Ferienlohn ist damit bereits bezahlt. Ein zusätzlicher Zuschlag wäre eine freiwillige Leistung. Der Zuschlag ist ein Instrument des Stundenlohns.

Ist der Ferienzuschlag beitragspflichtig?

Ja. Ferien- und Feiertagsentschädigungen zählen zum massgebenden Lohn (AHVG Art. 5 Abs. 2). Sie werden also wie jeder andere Lohnbestandteil abgerechnet und erscheinen in der Lohndeklaration an die Ausgleichskasse.

Was ist der Unterschied zum Feiertagszuschlag?

Ferien und Feiertage sind zwei verschiedene Ansprüche. Der Ferienzuschlag deckt die vier oder fünf Ferienwochen, der Feiertagszuschlag die kantonalen Feiertage, an denen nicht gearbeitet wird. Rechne sie getrennt und weise sie getrennt aus, sonst lässt sich im Streit nicht mehr sagen, was womit bezahlt wurde.

Muss ich den Zuschlag auch bei einer kurzen Aushilfe ausweisen?

Ja, wenn du ihn laufend auszahlst. Das SECO verlangt den Ausweis im Arbeitsvertrag und auf jeder Lohnabrechnung; eine Ausnahme für kurze Einsätze nennt es nicht. Bei einer einzigen Abrechnung ist das eine Zeile Arbeit und erspart später die Diskussion.

Quellen

Dieser Text ist eine allgemeine Information für Schweizer Unternehmen und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall. Wenn dir ein Fehler auffällt, schreib uns, wir korrigieren ihn.

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