Die vier Zahlen, die du brauchst
- Der Lohn. Bei einer Einzelfirma das, was du selbst zum Leben brauchst, samt AHV, IV, EO, Unfall und Vorsorge. Bei Angestellten der Bruttolohn plus die Arbeitgeberbeiträge an Sozialversicherungen und Pensionskasse. Das KMU-Portal des Bundes setzt in seinem Fallbeispiel 18 Prozent Sozialleistungen auf den Unternehmerlohn an. Dein Wert hängt von Kasse und Vorsorgelösung ab.
- Die Betriebskosten. Alles, was der Betrieb im Jahr kostet, egal ob du arbeitest oder nicht: Fahrzeug, Werkzeug, Werkstatt oder Lager, Versicherungen, Büro, Software, Telefon, Werbung, Weiterbildung, Treuhandstelle, Verbandsbeiträge.
- Die verrechenbaren Stunden. Nicht deine Arbeitszeit, sondern der Teil davon, den ein Kunde bezahlt.
- Der Gewinnzuschlag. Was über den Kosten bleiben soll, für Rücklagen, Investitionen und schlechte Jahre. Ohne ihn arbeitest du auf null.
Verrechenbare Stunden: hier entscheidet es sich
Rechne von oben nach unten. 52 Wochen zu 5 Tagen sind 260 Tage. Davon gehen Feiertage, Ferien und Krankheit weg, in diesem Beispiel bleiben 220 Arbeitstage. Bei 8.4 Stunden pro Tag sind das 1'848 Stunden Anwesenheit. Verrechenbar davon ist aber nur ein Teil. Nicht verrechenbar sind: Offerten schreiben, Material holen, Rechnungen stellen, Fahrzeug unterhalten, Telefonate, Reklamationen. Wie gross dein Anteil ist, zeigt dir nur deine eigene Zeiterfassung. Die Tabelle rechnet vier Annahmen durch.
| Anteil verrechenbar | Stunden im Jahr | Nötiger Satz bei CHF 132'000.00 Zielumsatz |
|---|---|---|
| 60 % | 1'109 | CHF 119.03 |
| 70 % | 1'294 | CHF 102.01 |
| 75 % | 1'386 | CHF 95.24 |
| 85 % | 1'571 | CHF 84.02 |
- Unternehmerlohn samt Sozialleistungen
- CHF 90'000.00
- Betriebskosten im Jahr
- CHF 30'000.00
- Kosten total
- CHF 120'000.00
- Gewinnzuschlag 10 %
- CHF 12'000.00
- Zielumsatz aus Arbeit
- CHF 132'000.00
- Verrechenbare Stunden (220 × 8.4 × 75 %)
- 1'386 h
- Stundensatz ohne MwSt
- CHF 95.24
Mit 8.1 Prozent Mehrwertsteuer werden daraus CHF 102.95 pro Stunde für einen Privatkunden. Kostendeckend, also ganz ohne Gewinnzuschlag, wären es CHF 86.58.
Was dieser Rechner nicht tut
Er nennt keine Branchendurchschnitte und keine Richtwerte. Solche Zahlen kursieren viele, über deinen Betrieb sagen sie nichts. Was dein Satz sein muss, steht in deinen eigenen Zahlen. Was der Markt trägt, ist eine zweite Frage: Liegt dein gerechneter Satz deutlich über dem, was Kunden zahlen, sind entweder die Kosten zu hoch oder es sind zu wenige Stunden verrechenbar. Der Ausweg ist selten ein tieferer Satz, sondern meist weniger Leerlauf.
Material gehört nicht in den Stundensatz
Material wird getrennt verrechnet, mit eigenem Aufschlag. Wer Material in den Stundensatz einrechnet, verzerrt beides: Aufträge mit viel Material werden zu billig, reine Arbeitsaufträge zu teuer. Zum Aufschlag auf Material gibt es den Marge-Rechner.
Verschiedene Sätze für verschiedene Arbeiten
- Nach Person: Lehrling, Monteur, Vorarbeiter und Inhaber haben verschiedene Kosten und damit verschiedene Sätze.
- Nach Arbeit: Ein Notfalleinsatz am Samstagabend ist ein anderer Satz als geplante Arbeit am Dienstag. Zuschläge regelst du getrennt, nicht über den Grundsatz.
- Nach Kunde: Eine ausgehandelte Kondition für einen Stammkunden ist in Ordnung, wenn sie bewusst gewählt ist und nicht aus Gewohnheit entsteht.
- Fahrzeit: Entweder im Satz eingerechnet, dann ist die Produktivität tiefer, oder getrennt verrechnet. Beides geht, aber nicht beides gleichzeitig.
So macht es KIDESK
In KIDESK trägst du Stunden mit von und bis ein, mit Pause und Reisezeit. Freigegebene Stunden sind gesperrt, und unter Berichte findest du die Auswertung der Stunden. Was dieser Rechner ausrechnet, kann KIDESK nicht für dich wissen: Deine Betriebskosten kennt deine Buchhaltung, nicht die Software.
Häufige Fragen
Wie viele Stunden im Jahr kann ich realistisch verrechnen?
Bei 220 Arbeitstagen und 8.4 Stunden sind es etwa 1'850 Stunden Anwesenheit. Verrechenbar ist nur der Teil, den ein Kunde bezahlt: bei 65 Prozent rund 1'200 Stunden, bei 80 Prozent rund 1'480. Der Rest geht für Offerten, Fahrten, Einkauf, Büro und Unterhalt weg. Deinen Anteil liest du aus deiner Zeiterfassung ab. Das KMU-Portal des Bundes setzt in seinem Fallbeispiel rund 1'700 Stunden pro Vollzeitperson an, nach Abzug von Feiertagen, Ferien und Fehlzeiten.
Gehört mein eigener Lohn in die Kalkulation?
Ja, unbedingt. Auch bei einer Einzelfirma, wo rechtlich kein Lohn gezahlt wird, sondern der Gewinn dir gehört. Rechne mit dem Betrag, den du zum Leben brauchst, samt AHV und Vorsorge. Sonst kalkulierst du dich selbst zum Nulltarif ein.
Wie hoch soll der Gewinnzuschlag sein?
Er muss Rücklagen, Ersatzinvestitionen und schlechte Jahre tragen. Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht. Wichtig ist vor allem, dass er überhaupt drin ist: Ein Betrieb, der genau auf null kalkuliert, kann keinen Ersatzlieferwagen kaufen.
Rechne ich den Stundensatz mit oder ohne Mehrwertsteuer?
Kalkuliert wird immer ohne. Die Mehrwertsteuer ist kein Ertrag, sie geht an die Steuerverwaltung. Auf der Offerte an einen Privatkunden ist der Bruttosatz trotzdem die verständlichere Zahl, weil er zahlt, was dort steht. Nenne dann beides.
Was mache ich, wenn mein Satz über dem Marktpreis liegt?
Zuerst die Annahmen prüfen: Sind die Betriebskosten wirklich so hoch, sind die verrechenbaren Stunden zu tief angesetzt? Danach der ehrliche Teil: Liegt der gerechnete Satz deutlich über dem, was gezahlt wird, trägt das Geschäftsmodell so nicht. Ein tieferer Satz löst das nicht, er verschiebt nur den Verlust.
Quellen
Dieser Text ist eine allgemeine Information für Schweizer Betriebe und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall. Wenn dir ein Fehler auffällt, schreib uns, wir korrigieren ihn.
