Nachtrag, Mehrmenge, Kostenüberschreitung: nicht dasselbe
| Der Fall auf der Baustelle | Was es rechtlich ist | Was du brauchst |
|---|---|---|
| Mehr Fläche oder Menge als offeriert, Einheitspreise vereinbart | Mehrmenge im bestehenden Vertrag | Ein Ausmass, am besten gemeinsam aufgenommen. Einen neuen Preis braucht es nicht |
| Eine Leistung, die gar nicht offeriert war | Neue Bestellung, also ein Nachtrag | Die schriftliche Bestellung des Kunden, vor der Ausführung |
| Andere Ausführung als offeriert, etwa teureres Material | Änderung des Vertrags | Schriftliche Zustimmung mit der Preisdifferenz, nicht nur ein Nicken im Treppenhaus |
| Der Aufwand ist höher als gedacht, Festpreis vereinbart | Kein Nachtrag, sondern dein Risiko | Nichts. Du stellst um die vereinbarte Summe fertig (OR Art. 373 Abs. 1) |
| Der Aufwand ist höher als gedacht, ungefährer Ansatz vereinbart | Kostenüberschreitung, kein Nachtrag | Eine Meldung vor der Ausführung. Danach entscheidet der Kunde (OR Art. 375) |
| Unerwartetes am Baugrund oder am gelieferten Stoff | Anzeigepflicht | Anzeige ohne Verzug, sonst fallen die nachteiligen Folgen dir zur Last (OR Art. 365 Abs. 3) |
Warum der Nachtrag vor der Ausführung bestätigt sein muss
Zwei Gründe, und beide sind Geld wert. Erstens: Hast du einen ungefähren Ansatz verabredet, zählen nur Mehrkosten ohne Zutun des Bestellers als Überschreitung (OR Art. 375). Jede belegte Zusatzbestellung nimmt Kosten aus dieser Rechnung heraus. Ohne Beleg bleibt sie darin und arbeitet gegen dich. Zweitens: Bei einem Festpreis gibt es ohne neue Abrede schlicht kein zusätzliches Geld. Wer erst mit der Schlussrechnung meldet, verhandelt über Geld, das er schon ausgegeben hat.
Der Beleg muss kein Formular sein. Eine Antwortmail mit «ja, bitte so ausführen», zwei Zeilen auf dem Arbeitsrapport mit Datum und Unterschrift oder eine kurze Nachtragsofferte genügen. Wichtig sind Datum, Beschrieb, Preis und der Bezug auf die ursprüngliche Offerte.
Was in einen Nachtrag gehört
- Der Bezug: Nachtrag Nr. 2 zur Offerte Nr. 2026-0142 vom 05.09.2026.
- Der Grund in einem Satz, sachlich: «Beim Entfernen des Bodenbelags kam eine zweite Klebeschicht zum Vorschein.»
- Die Leistung mit Menge, Einheit und Preis, so aufgebaut wie die Positionen der Offerte.
- Die Auswirkung auf den Termin, falls es eine gibt. Das ist der Punkt, den Bauleitungen zuerst lesen.
- Der neue Gesamtbetrag, damit niemand selbst addieren muss.
- Eine Zeile für die Bestätigung: Datum, Name, Unterschrift oder eine Antwort per E-Mail.
Ist die Norm SIA 118 vereinbart, gelten daneben ihre eigenen Regeln, unter anderem zum Ausmass und zu Regiearbeiten. Die SIA 118 ist eine private Norm und gilt nur, wenn ihr sie in den Vertrag übernommen habt. Steht nichts davon in deinem Werkvertrag, gelten die Artikel des Obligationenrechts. Schlag in diesem Fall nach, was die Norm zu Bestellungsänderungen sagt, bevor du dich auf die Regeln hier verlässt.
So macht es KIDESK
In KIDESK legst du zu einem laufenden Auftrag eine Nachtragsofferte an. Sie geht den gewöhnlichen Weg: bearbeiten, senden, vom Kunden annehmen lassen. Angenommen fliesst sie in denselben Auftrag zurück und erzeugt keinen zweiten. Auf der Schlussrechnung steht der Nachtrag als eigener Abschnitt über seinen Positionen, getrennt vom Grundauftrag, damit dein Kunde sieht, wofür er zusätzlich zahlt. Auf der Baustelle unterschreibt er Rapport und Abnahme direkt auf dem Gerät, mit Mängelliste und Fotos.
Häufige Fragen
Muss ein Nachtrag schriftlich sein?
Für die Gültigkeit nicht, Verträge sind im Handwerk formfrei (OR Art. 11). Für den Beweis schon: Ohne Beleg kannst du nicht zeigen, dass die Mehrkosten auf eine Bestellung deines Kunden zurückgehen, und genau darauf kommt es bei OR Art. 375 an. Eine Mail genügt.
Darf ich den Nachtrag ausführen und erst danach fragen?
Du darfst, aber du arbeitest dann auf eigenes Risiko. Bestreitet der Kunde die Bestellung, musst du sie beweisen. Bei einem Festpreis kommt dazu, dass ohne neue Abrede gar kein Anspruch auf mehr Geld besteht (OR Art. 373 Abs. 1). Bei echter Dringlichkeit: kurz anrufen, danach die Bestätigung per Mail nachschicken.
Was, wenn der Kunde den Nachtrag ablehnt?
Dann führst du ihn nicht aus und hältst schriftlich fest, was das für Ergebnis und Termin bedeutet. Gefährdet die Ablehnung eine gehörige oder rechtzeitige Ausführung, musst du ihn darauf ohne Verzug hinweisen, sonst fallen die nachteiligen Folgen dir zur Last (OR Art. 365 Abs. 3).
Braucht ein Nachtrag eine eigene Nummer?
Rechtlich nicht, praktisch ja. Mit «Nachtrag Nr. 2 zur Offerte Nr. 2026-0142» findet jede Seite in sechs Monaten wieder, worum es ging. Auf der Schlussrechnung steht die Nummer bei der Position, und die Bauleitung kann die Zeile ihrer eigenen Bestellung zuordnen.
Quellen
Dieser Text ist eine allgemeine Information für Schweizer Unternehmen und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall. Wenn dir ein Fehler auffällt, schreib uns, wir korrigieren ihn.
