Liquidität und Gewinn sind zwei verschiedene Zahlen
Der Gewinn sagt, ob sich ein Jahr gelohnt hat. Die Liquidität sagt, ob du am 25. die Löhne überweisen kannst. Beides hängt zusammen, fällt aber zeitlich auseinander: Material und Löhne zahlst du sofort, die Schlussrechnung kommt Wochen nach der letzten Arbeitsstunde, und der Kunde nimmt sich dann nochmals dreissig Tage. Wer in dieser Lücke nichts auf dem Konto hat, ist zahlungsunfähig, auch wenn die Erfolgsrechnung am Jahresende schwarz schreibt.
Darum wird Liquidität zweimal betrachtet: als Stichtagsgrösse aus der Bilanz, das sind die Liquiditätsgrade weiter unten, und als Vorschau über die nächsten Monate, das ist die Liquiditätsplanung. Die Kennzahl sagt dir, wie du heute dastehst. Der Plan sagt dir, wann es eng wird.
Die drei Liquiditätsgrade
| Kennzahl | So wird gerechnet | Richtwert |
|---|---|---|
| Liquidität 1. Grades (Cash Ratio) | Flüssige Mittel geteilt durch kurzfristiges Fremdkapital, mal 100 | Mindestens 20 % |
| Liquidität 2. Grades (Quick Ratio) | Flüssige Mittel plus kurzfristige Forderungen, geteilt durch kurzfristiges Fremdkapital, mal 100 | Klar über 100 % |
| Liquidität 3. Grades (Current Ratio) | Ganzes Umlaufvermögen, also zusätzlich Vorräte und angefangene Arbeiten, geteilt durch kurzfristiges Fremdkapital, mal 100 | Das KMU-Portal nennt dazu keinen Wert |
- Flüssige Mittel (Kasse und Geschäftskonto)
- CHF 38'000.00
- Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
- CHF 96'000.00
- Vorräte (Material am Lager)
- CHF 42'000.00
- Kurzfristiges Fremdkapital (Kreditoren, MwSt, Sozialversicherungen)
- CHF 120'000.00
- Liquidität 1. Grades: 38'000 geteilt durch 120'000
- 31.7 %
- Liquidität 2. Grades: 134'000 geteilt durch 120'000
- 111.7 %
- Liquidität 3. Grades: 176'000 geteilt durch 120'000
- 146.7 %
Dieser Betrieb steht nach den Richtwerten gut da. Die eine Zahl, die ihm trotzdem Sorgen machen sollte, ist die zweite: CHF 96'000.00 liegen bei den Kunden. Zahlen zwei grössere Kunden im Januar nicht, während die Mehrwertsteuer des vierten Quartals und die Löhne abgehen, kann der 1. Grad unter die 20 Prozent fallen. Eine Kennzahl am Stichtag ist ein Foto, keine Zusage.
Was GmbH und AG von Gesetzes wegen tun müssen
Bei der AG überwacht der Verwaltungsrat die Zahlungsfähigkeit der Gesellschaft. Droht sie zahlungsunfähig zu werden, ergreift er Massnahmen zur Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit, trifft nötigenfalls weitere Sanierungsmassnahmen und handelt dabei «mit der gebotenen Eile» (OR Art. 725). Für die GmbH gelten dieselben Bestimmungen sinngemäss (OR Art. 820). Diese Pflicht ist seit der Aktienrechtsrevision von 2023 ausdrücklich im Gesetz und knüpft nicht mehr erst an den Kapitalverlust an, sondern schon an die drohende Zahlungsunfähigkeit.
Praktisch heisst das: Wer eine GmbH führt, muss wissen, wie es um die Liquidität der nächsten Monate steht. Eine schriftliche Beurteilung verlangt das Gesetz nicht, sie hilft aber, wenn später strittig wird, ab wann gehandelt werden musste. Eine Einzelfirma trifft diese Pflicht nicht, dafür haftet die Inhaberin mit ihrem Privatvermögen. Zeigt die letzte Jahresrechnung einer Kapitalgesellschaft zusätzlich einen Kapitalverlust, kommen die Schritte nach OR Art. 725a dazu, unter anderem eine eingeschränkte Revision, wenn keine Revisionsstelle besteht.
Woran es im Kleinbetrieb wirklich hängt
- Die Tage bis zur Rechnung. Jede Woche zwischen der letzten Arbeitsstunde und der Rechnung ist eine Woche, in der du deinem Kunden zinslos Geld leihst.
- Das tatsächliche Zahlungsziel. Das KMU-Portal nennt als Faustregel einen Debitorenumschlag von mindestens Faktor 8 bis 10. Bei einer Zahlungsfrist von dreissig Tagen entspricht das einem tatsächlichen Zahlungseingang nach 36 bis 45 Tagen.
- Die Mehrwertsteuer. Wer nach vereinbarten Entgelten abrechnet, schuldet die Steuer mit der Rechnungsstellung, nicht mit dem Zahlungseingang (MWSTG Art. 40 Abs. 1). Du führst also Geld ab, das noch nicht da ist.
- Feste Termine. Löhne, Sozialversicherungen, Miete und Leasing kommen jeden Monat am selben Tag. Sie verhandeln nicht.
So macht es KIDESK
Eine Liquiditätsplanung führt KIDESK nicht, und eine direkte Verbindung zu deiner Bank gibt es auch nicht: Den Kontoauszug lädst du als Datei aus dem E-Banking hoch, danach ordnet KIDESK die Zahlungen den Rechnungen zu. Was du dir auf die Startseite stellen kannst, sind die Bausteine «Forderungen nach Alter», «Erwartete Eingänge» für die nächsten dreissig Tage, «Schuldner» und «Mahnstapel». Damit hast du eine der drei Zahlen aus dem Kasten oben täglich vor Augen, nämlich die offenen Kundenrechnungen nach Alter, ohne eine Liste zu führen. Der Kontostand kommt aus dem E-Banking, die fälligen Lieferantenrechnungen aus deiner Ablage: Ein Fälligkeitsdatum am Beleg führt KIDESK nicht.
Häufige Fragen
Ab wann ist ein Betrieb zahlungsunfähig?
Zahlungsunfähig ist, wer seine fälligen Verbindlichkeiten dauerhaft nicht mehr begleichen kann, nicht schon, wer einen Monat knapp ist. Bei der AG und der GmbH muss die Führung bereits handeln, wenn die Zahlungsunfähigkeit droht (OR Art. 725 und 820). Eine feste Prozentgrenze dafür gibt es im Gesetz nicht.
Welcher Liquiditätsgrad ist der wichtigste?
Für den Alltag der 2. Grad, weil er die offenen Kundenrechnungen mitzählt, die in den nächsten Wochen hereinkommen sollten. Der 1. Grad zeigt die Lage am selben Tag, der 3. Grad rechnet Vorräte mit, die sich oft nicht schnell in Geld verwandeln lassen.
Rechne ich mit oder ohne Mehrwertsteuer?
Mit. Liquidität ist das, was tatsächlich über das Konto läuft, und deine Kunden überweisen den Bruttobetrag. Die Mehrwertsteuer ist dabei kein Ertrag, sondern ein durchlaufender Posten, den du später abführst.
Hilft ein Kontokorrentkredit bei der Liquidität?
Er überbrückt eine Lücke, er schliesst sie nicht. Der Kredit kostet Zins, und der beanspruchte Betrag steht als kurzfristige Bankverbindlichkeit im Fremdkapital: Geld und Schuld wachsen gleichzeitig, die Kennzahl sieht deshalb kaum besser aus. Die Ursache liegt fast immer bei der Zeit zwischen Leistung, Rechnung und Zahlungseingang.
Quellen
- KMU-Portal des Bundes: Kennzahlen zur Unternehmensüberwachung (Liquidität 1. und 2. Grades, Debitorenumschlag)
- KMU-Portal des Bundes: Wie gelingt eine gute Liquiditätsplanung?
- Obligationenrecht (OR), Art. 725: drohende Zahlungsunfähigkeit
- OR Art. 725a: Kapitalverlust, und Art. 820: sinngemässe Anwendung auf die GmbH
- Mehrwertsteuergesetz (MWSTG), Art. 40: Entstehung der Steuerforderung
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