Kontenrahmen und Kontenplan sind nicht dasselbe
Der Kontenrahmen ist das Gerüst: eine durchnummerierte Ordnung aller Konten, die es in einem Betrieb geben kann, gleich aufgebaut für alle Branchen. Der Kontenplan ist deine Auswahl daraus, also die Konten, die dein Betrieb tatsächlich bebucht. Der Gärtner braucht kein Konto für Handelswaren in Konsignation, die Garage sehr wohl eines für Handelswaren, auf dem die Occasionen liegen.
Der Standard in der Schweiz ist der Schweizer Kontenrahmen KMU. Das KMU-Portal des Bundes nennt ihn das «Standardwerk für die Erstellung von Kontenrahmen für kleine und mittlere Unternehmen» und stellt die offizielle Schulversion als PDF bereit, herausgegeben von SwissAccounting (früher veb.ch). Die Autoren schreiben dort selbst, einzelne Konten dürften weggelassen oder ergänzt werden, «die Struktur muss jedoch erhalten bleiben». Genau daran hängt der praktische Nutzen: Die meisten Treuhandstellen und Buchhaltungsprogramme in der Schweiz arbeiten mit dieser Struktur.
Die neun Klassen des Kontenrahmens KMU
| Klasse | Bezeichnung im Kontenrahmen KMU | Was darin steht |
|---|---|---|
| 1 | Aktiven | Was dem Betrieb gehört: Kasse, Bank, Forderungen, Vorräte, Fahrzeuge, Maschinen |
| 2 | Passiven | Was der Betrieb schuldet, dazu das Eigenkapital |
| 3 | Betrieblicher Ertrag aus Lieferungen und Leistungen | Dein Umsatz, dazu Erlösminderungen und Debitorenverluste |
| 4 | Aufwand für Material, Handelswaren, Dienstleistungen und Energie | Material, Handelsware, Fremdarbeiten, Energie für die Leistungserstellung |
| 5 | Personalaufwand | Löhne, Sozialversicherungen, übriger Personalaufwand |
| 6 | Übriger betrieblicher Aufwand, Abschreibungen und Wertberichtigungen sowie Finanzergebnis | Miete, Fahrzeug, Versicherungen, Verwaltung, Werbung, Abschreibungen, Zinsen |
| 7 | Betrieblicher Nebenerfolg | Nebenbetrieb und betriebliche Liegenschaft, getrennt vom Kerngeschäft |
| 8 | Betriebsfremder, ausserordentlicher, einmaliger oder periodenfremder Aufwand und Ertrag | Alles Einmalige, dazu die direkten Steuern |
| 9 | Abschluss | Nur eine Zeile: Jahresgewinn oder Jahresverlust |
Die Konten, mit denen ein Handwerksbetrieb auskommt
| Konto | Bezeichnung | Wofür im Alltag |
|---|---|---|
| 1000 | Kasse | Bargeld, geführt über das Kassenbuch |
| 1020 | Bankguthaben | Das Geschäftskonto |
| 1100 | Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (Debitoren) | Gestellte, noch nicht bezahlte Rechnungen |
| 1109 | Wertberichtigungen Forderungen aus Lieferungen und Leistungen | Das Delkredere für Kunden, die wohl nicht mehr zahlen |
| 1170 | Vorsteuer MWST Material, Waren, Dienstleistungen, Energie | Bezahlte MwSt auf Material und Fremdarbeiten |
| 1171 | Vorsteuer MWST Investitionen, übriger Betriebsaufwand | Bezahlte MwSt auf allem anderen |
| 1200 | Vorräte | Material am Lager, gezählt am Stichtag |
| 1280 | Nicht fakturierte Dienstleistungen | Angefangene Arbeiten, die noch keine Rechnung tragen |
| 1500 | Maschinen und Apparate | Kompressor, Hebebühne, Rasenmäher |
| 1530 | Fahrzeuge | Lieferwagen und Geschäftsauto |
| 2000 | Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen (Kreditoren) | Lieferantenrechnungen, die offen sind |
| 2200 | Umsatzsteuer | Die MwSt, die du deinen Kunden verrechnet hast |
| 2201 | Abrechnungskonto MWST | Der Saldo gegenüber der Steuerverwaltung je Abrechnung |
| 2270 | Sozialversicherungen und Vorsorgeeinrichtungen | Abgezogene und geschuldete Beiträge bis zur Zahlung |
| 2300 | Passive Rechnungsabgrenzungen | Aufwand des alten Jahres, dessen Rechnung erst im neuen kommt |
| 2850 | Privat | Privatbezüge und Privateinlagen der Einzelfirma |
| 3000 | Produktionserlöse | Umsatz aus eigener Arbeit, etwa Montage und Ausführung |
| 3200 | Handelserlöse | Weiterverkauftes Material |
| 3400 | Dienstleistungserlöse | Service, Wartung, Beratung, Stundenarbeiten |
| 3800 | Erlösminderungen | Skonto und Rabatte, die du nachträglich gewährst |
| 3805 | Verluste Forderungen, Veränderung Wertberichtigungen | Der Debitor, der endgültig ausfällt |
| 4000 | Materialaufwand Produktion | Material, das in den Auftrag geht |
| 4400 | Aufwand für bezogene Dienstleistungen | Subunternehmer und Fremdarbeiten |
| 5000 | Lohnaufwand | Bruttolöhne der Mitarbeitenden |
| 5700 | Sozialversicherungsaufwand | Arbeitgeberanteile AHV, ALV, UVG, BVG |
| 6000 | Raumaufwand | Miete für Werkstatt, Lager und Büro |
| 6200 | Fahrzeug- und Transportaufwand | Treibstoff, Service, Versicherung, Verkehrsabgaben |
| 6500 | Verwaltungsaufwand | Büromaterial, Telefon, Porto, Treuhandhonorar |
| 6800 | Abschreibungen und Wertberichtigungen auf Positionen des Anlagevermögens | Der jährliche Wertverlust von Fahrzeug und Maschine |
| 9200 | Jahresgewinn oder Jahresverlust | Das Ergebnis, mit dem die Buchhaltung schliesst |
Warum die Reihenfolge nicht willkürlich ist
Die Aktiven stehen nach ihrem Liquiditätsgrad: zuerst die flüssigen Mittel, dann Forderungen, dann Vorräte, zuletzt Fahrzeuge und Immobilien. Die Passiven stehen nach ihrer Fälligkeit, vom kurzfristigen zum langfristigen Fremdkapital und zuletzt dem Eigenkapital. Das ist kein Brauch, sondern die Mindestgliederung der Bilanz nach OR Art. 959a. Die Klassen 3 bis 8 folgen derselben Logik für die Erfolgsrechnung nach OR Art. 959b: Nettoerlöse, Material, Personal, übriger Aufwand, Abschreibungen, Finanzergebnis, Betriebsfremdes, Steuern, Jahresergebnis.
Wer den Kontenrahmen KMU verwendet, hat die gesetzliche Gliederung darum automatisch eingehalten. Wer eigene Nummern erfindet, muss am Jahresende von Hand sortieren. Das Gesetz selbst verlangt vom Kontenplan nur eines: dass die Buchführung zweckmässig ist mit Blick auf Art und Grösse des Betriebs und nachprüfbar bleibt (OR Art. 957a Abs. 2).
Drei Fehler beim ersten Kontenplan
- Zu viele Konten. Wer für jeden Lieferanten ein eigenes Aufwandkonto anlegt, bucht am Jahresende drei Abende lang und sieht trotzdem nichts. Aufschlüsseln kannst du später über Kostenstellen, nicht über neue Konten.
- Eigene Nummern. Ein Konto «4050 Material Baumarkt» wirkt praktisch und bricht beim nächsten Programmwechsel oder beim Wechsel der Treuhandstelle, weil die Zuordnung niemand kennt. Bleib bei den Nummern des Kontenrahmens.
- Privates im Geschäftskonto. In der Einzelfirma laufen Privatbezüge über Konto 2850 «Privat», nicht über den Aufwand. Wer den Einkauf fürs Wochenende auf 4000 bucht, verfälscht den Materialaufwand und riskiert bei der Steuerkontrolle eine Aufrechnung.
So macht es KIDESK
KIDESK führt keine Finanzbuchhaltung: kein Hauptbuch, keine Bilanz, keinen Kontenplan, auf den du buchst. Gebucht wird bei deiner Treuhandstelle oder in einem Buchhaltungsprogramm. Was KIDESK tut, ist die Vorarbeit: Fotografierst du einen Beleg, liest es Betrag, Datum und Steuersatz aus und schlägt dazu ein Aufwandkonto vor, etwa 6100 für Unterhalt und Reparaturen. Du oder deine Treuhandstelle bestätigt oder ändert den Vorschlag. Vergleiche die vorgeschlagenen Nummern einmal mit deinem eigenen Kontenplan: Der Vorschlag folgt der üblichen Nummerierung, nicht deinem Plan. Im Treuhand-Paket steht das bestätigte Konto je Beleg in der Buchungsliste als CSV-Datei.
Häufige Fragen
Muss ich den Kontenrahmen KMU verwenden?
Nein. Das Gesetz schreibt keinen bestimmten Kontenrahmen vor, sondern nur eine zweckmässige, nachprüfbare Buchführung (OR Art. 957a) und die Mindestgliederung von Bilanz und Erfolgsrechnung (OR Art. 959a und 959b). In der Praxis arbeiten die meisten Schweizer Treuhandstellen mit dem Kontenrahmen KMU, weil dann niemand übersetzen muss.
Wie viele Konten braucht eine Einzelfirma?
So wenige wie möglich. Die Tabelle oben zeigt dreissig Konten, mit denen ein Handwerksbetrieb durch das Jahr kommt. Wer nur Dienstleistungen verkauft, braucht weniger: kein Vorratskonto, kein Handelserlöskonto. Jedes zusätzliche Konto muss am Jahresende auch geprüft werden.
Was ist der Unterschied zwischen Kontenrahmen und Kontenplan?
Der Kontenrahmen ist das vollständige Gerüst mit allen möglichen Konten und ihren Nummern. Der Kontenplan ist die Auswahl daraus, die dein Betrieb tatsächlich führt. Der Rahmen ist für alle gleich, der Plan gehört dir.
Darf ich mitten im Jahr ein Konto dazunehmen?
Ja. Ein neues Konto ist kein Eingriff in die Vergangenheit, solange die alten Buchungen stehen bleiben. Heikel ist nur das Umhängen bereits gebuchter Beträge: Das gehört mit der Treuhandstelle abgesprochen, damit der Vorjahresvergleich noch stimmt.
Quellen
- KMU-Portal des Bundes: Schweizer Kontenrahmen KMU, offizielle Schulversion (PDF, SwissAccounting)
- KMU-Portal des Bundes: Wie man seine Buchhaltung organisiert
- Obligationenrecht (OR), Art. 957a: Grundsätze ordnungsmässiger Buchführung
- OR Art. 959a: Mindestgliederung der Bilanz
- OR Art. 959b: Mindestgliederung der Erfolgsrechnung
- Mehrwertsteuergesetz (MWSTG), Art. 37: Saldosteuersatzmethode
Dieser Text ist eine allgemeine Information für Schweizer Unternehmen und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall. Wenn dir ein Fehler auffällt, schreib uns, wir korrigieren ihn.
