Begriff

Kontenplan KMU: die Konten, auf die du buchst.

Kurz gesagt

Ein Kontenplan ist die Liste aller Konten, auf die dein Betrieb bucht. Er entsteht aus dem Schweizer Kontenrahmen KMU, dem Standardwerk von SwissAccounting (früher veb.ch): Klasse 1 Aktiven, Klasse 2 Passiven, Klassen 3 bis 8 die Erfolgsrechnung, Klasse 9 der Abschluss. Ein bestimmter Kontenplan ist nirgends vorgeschrieben. Vorgeschrieben ist, was am Schluss dabei herauskommen muss: die Mindestgliederung von Bilanz und Erfolgsrechnung nach OR Art. 959a und 959b. Ein Handwerksbetrieb kommt mit gut zwei Dutzend Konten aus.

Stand: . Geprüft anhand der unten genannten Quellen.

Kontenrahmen und Kontenplan sind nicht dasselbe

Der Kontenrahmen ist das Gerüst: eine durchnummerierte Ordnung aller Konten, die es in einem Betrieb geben kann, gleich aufgebaut für alle Branchen. Der Kontenplan ist deine Auswahl daraus, also die Konten, die dein Betrieb tatsächlich bebucht. Der Gärtner braucht kein Konto für Handelswaren in Konsignation, die Garage sehr wohl eines für Handelswaren, auf dem die Occasionen liegen.

Der Standard in der Schweiz ist der Schweizer Kontenrahmen KMU. Das KMU-Portal des Bundes nennt ihn das «Standardwerk für die Erstellung von Kontenrahmen für kleine und mittlere Unternehmen» und stellt die offizielle Schulversion als PDF bereit, herausgegeben von SwissAccounting (früher veb.ch). Die Autoren schreiben dort selbst, einzelne Konten dürften weggelassen oder ergänzt werden, «die Struktur muss jedoch erhalten bleiben». Genau daran hängt der praktische Nutzen: Die meisten Treuhandstellen und Buchhaltungsprogramme in der Schweiz arbeiten mit dieser Struktur.

Die neun Klassen des Kontenrahmens KMU

KlasseBezeichnung im Kontenrahmen KMUWas darin steht
1AktivenWas dem Betrieb gehört: Kasse, Bank, Forderungen, Vorräte, Fahrzeuge, Maschinen
2PassivenWas der Betrieb schuldet, dazu das Eigenkapital
3Betrieblicher Ertrag aus Lieferungen und LeistungenDein Umsatz, dazu Erlösminderungen und Debitorenverluste
4Aufwand für Material, Handelswaren, Dienstleistungen und EnergieMaterial, Handelsware, Fremdarbeiten, Energie für die Leistungserstellung
5PersonalaufwandLöhne, Sozialversicherungen, übriger Personalaufwand
6Übriger betrieblicher Aufwand, Abschreibungen und Wertberichtigungen sowie FinanzergebnisMiete, Fahrzeug, Versicherungen, Verwaltung, Werbung, Abschreibungen, Zinsen
7Betrieblicher NebenerfolgNebenbetrieb und betriebliche Liegenschaft, getrennt vom Kerngeschäft
8Betriebsfremder, ausserordentlicher, einmaliger oder periodenfremder Aufwand und ErtragAlles Einmalige, dazu die direkten Steuern
9AbschlussNur eine Zeile: Jahresgewinn oder Jahresverlust
Die Klassen 1 und 2 ergeben die Bilanz, die Klassen 3 bis 8 die Erfolgsrechnung. Die Kontonummern sind vierstellig: Die erste Ziffer ist die Klasse, die zweite die Hauptgruppe, danach wird es feiner.

Die Konten, mit denen ein Handwerksbetrieb auskommt

KontoBezeichnungWofür im Alltag
1000KasseBargeld, geführt über das Kassenbuch
1020BankguthabenDas Geschäftskonto
1100Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (Debitoren)Gestellte, noch nicht bezahlte Rechnungen
1109Wertberichtigungen Forderungen aus Lieferungen und LeistungenDas Delkredere für Kunden, die wohl nicht mehr zahlen
1170Vorsteuer MWST Material, Waren, Dienstleistungen, EnergieBezahlte MwSt auf Material und Fremdarbeiten
1171Vorsteuer MWST Investitionen, übriger BetriebsaufwandBezahlte MwSt auf allem anderen
1200VorräteMaterial am Lager, gezählt am Stichtag
1280Nicht fakturierte DienstleistungenAngefangene Arbeiten, die noch keine Rechnung tragen
1500Maschinen und ApparateKompressor, Hebebühne, Rasenmäher
1530FahrzeugeLieferwagen und Geschäftsauto
2000Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen (Kreditoren)Lieferantenrechnungen, die offen sind
2200UmsatzsteuerDie MwSt, die du deinen Kunden verrechnet hast
2201Abrechnungskonto MWSTDer Saldo gegenüber der Steuerverwaltung je Abrechnung
2270Sozialversicherungen und VorsorgeeinrichtungenAbgezogene und geschuldete Beiträge bis zur Zahlung
2300Passive RechnungsabgrenzungenAufwand des alten Jahres, dessen Rechnung erst im neuen kommt
2850PrivatPrivatbezüge und Privateinlagen der Einzelfirma
3000ProduktionserlöseUmsatz aus eigener Arbeit, etwa Montage und Ausführung
3200HandelserlöseWeiterverkauftes Material
3400DienstleistungserlöseService, Wartung, Beratung, Stundenarbeiten
3800ErlösminderungenSkonto und Rabatte, die du nachträglich gewährst
3805Verluste Forderungen, Veränderung WertberichtigungenDer Debitor, der endgültig ausfällt
4000Materialaufwand ProduktionMaterial, das in den Auftrag geht
4400Aufwand für bezogene DienstleistungenSubunternehmer und Fremdarbeiten
5000LohnaufwandBruttolöhne der Mitarbeitenden
5700SozialversicherungsaufwandArbeitgeberanteile AHV, ALV, UVG, BVG
6000RaumaufwandMiete für Werkstatt, Lager und Büro
6200Fahrzeug- und TransportaufwandTreibstoff, Service, Versicherung, Verkehrsabgaben
6500VerwaltungsaufwandBüromaterial, Telefon, Porto, Treuhandhonorar
6800Abschreibungen und Wertberichtigungen auf Positionen des AnlagevermögensDer jährliche Wertverlust von Fahrzeug und Maschine
9200Jahresgewinn oder JahresverlustDas Ergebnis, mit dem die Buchhaltung schliesst
Dreissig Konten, und der Alltag eines Malers, Elektrikers oder Gartenbaubetriebs ist abgedeckt. Die Nummern und Bezeichnungen stammen aus der offiziellen Schulversion des Kontenrahmens KMU. Welche du davon brauchst, entscheidest du mit deiner Treuhandstelle, bevor das erste Mal gebucht wird.

Warum die Reihenfolge nicht willkürlich ist

Die Aktiven stehen nach ihrem Liquiditätsgrad: zuerst die flüssigen Mittel, dann Forderungen, dann Vorräte, zuletzt Fahrzeuge und Immobilien. Die Passiven stehen nach ihrer Fälligkeit, vom kurzfristigen zum langfristigen Fremdkapital und zuletzt dem Eigenkapital. Das ist kein Brauch, sondern die Mindestgliederung der Bilanz nach OR Art. 959a. Die Klassen 3 bis 8 folgen derselben Logik für die Erfolgsrechnung nach OR Art. 959b: Nettoerlöse, Material, Personal, übriger Aufwand, Abschreibungen, Finanzergebnis, Betriebsfremdes, Steuern, Jahresergebnis.

Wer den Kontenrahmen KMU verwendet, hat die gesetzliche Gliederung darum automatisch eingehalten. Wer eigene Nummern erfindet, muss am Jahresende von Hand sortieren. Das Gesetz selbst verlangt vom Kontenplan nur eines: dass die Buchführung zweckmässig ist mit Blick auf Art und Grösse des Betriebs und nachprüfbar bleibt (OR Art. 957a Abs. 2).

Drei Fehler beim ersten Kontenplan

  • Zu viele Konten. Wer für jeden Lieferanten ein eigenes Aufwandkonto anlegt, bucht am Jahresende drei Abende lang und sieht trotzdem nichts. Aufschlüsseln kannst du später über Kostenstellen, nicht über neue Konten.
  • Eigene Nummern. Ein Konto «4050 Material Baumarkt» wirkt praktisch und bricht beim nächsten Programmwechsel oder beim Wechsel der Treuhandstelle, weil die Zuordnung niemand kennt. Bleib bei den Nummern des Kontenrahmens.
  • Privates im Geschäftskonto. In der Einzelfirma laufen Privatbezüge über Konto 2850 «Privat», nicht über den Aufwand. Wer den Einkauf fürs Wochenende auf 4000 bucht, verfälscht den Materialaufwand und riskiert bei der Steuerkontrolle eine Aufrechnung.
Bist du mehrwertsteuerpflichtig, gehören die vier MwSt-Konten von Anfang an in den Plan: 1170 und 1171 für die Vorsteuer, 2200 für die geschuldete Umsatzsteuer und 2201 als Abrechnungskonto gegenüber der Steuerverwaltung. Wer mit dem Saldosteuersatz abrechnet, führt stattdessen Konto 3809 «MWST Saldosteuersatz» und zieht keine Vorsteuer ab: Sie ist im Satz pauschal berücksichtigt (MWSTG Art. 37 Abs. 3).

So macht es KIDESK

KIDESK führt keine Finanzbuchhaltung: kein Hauptbuch, keine Bilanz, keinen Kontenplan, auf den du buchst. Gebucht wird bei deiner Treuhandstelle oder in einem Buchhaltungsprogramm. Was KIDESK tut, ist die Vorarbeit: Fotografierst du einen Beleg, liest es Betrag, Datum und Steuersatz aus und schlägt dazu ein Aufwandkonto vor, etwa 6100 für Unterhalt und Reparaturen. Du oder deine Treuhandstelle bestätigt oder ändert den Vorschlag. Vergleiche die vorgeschlagenen Nummern einmal mit deinem eigenen Kontenplan: Der Vorschlag folgt der üblichen Nummerierung, nicht deinem Plan. Im Treuhand-Paket steht das bestätigte Konto je Beleg in der Buchungsliste als CSV-Datei.

Belege in KIDESK Treuhand-Paket exportieren

Häufige Fragen

Muss ich den Kontenrahmen KMU verwenden?

Nein. Das Gesetz schreibt keinen bestimmten Kontenrahmen vor, sondern nur eine zweckmässige, nachprüfbare Buchführung (OR Art. 957a) und die Mindestgliederung von Bilanz und Erfolgsrechnung (OR Art. 959a und 959b). In der Praxis arbeiten die meisten Schweizer Treuhandstellen mit dem Kontenrahmen KMU, weil dann niemand übersetzen muss.

Wie viele Konten braucht eine Einzelfirma?

So wenige wie möglich. Die Tabelle oben zeigt dreissig Konten, mit denen ein Handwerksbetrieb durch das Jahr kommt. Wer nur Dienstleistungen verkauft, braucht weniger: kein Vorratskonto, kein Handelserlöskonto. Jedes zusätzliche Konto muss am Jahresende auch geprüft werden.

Was ist der Unterschied zwischen Kontenrahmen und Kontenplan?

Der Kontenrahmen ist das vollständige Gerüst mit allen möglichen Konten und ihren Nummern. Der Kontenplan ist die Auswahl daraus, die dein Betrieb tatsächlich führt. Der Rahmen ist für alle gleich, der Plan gehört dir.

Darf ich mitten im Jahr ein Konto dazunehmen?

Ja. Ein neues Konto ist kein Eingriff in die Vergangenheit, solange die alten Buchungen stehen bleiben. Heikel ist nur das Umhängen bereits gebuchter Beträge: Das gehört mit der Treuhandstelle abgesprochen, damit der Vorjahresvergleich noch stimmt.

Quellen

Dieser Text ist eine allgemeine Information für Schweizer Unternehmen und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall. Wenn dir ein Fehler auffällt, schreib uns, wir korrigieren ihn.

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