Vorkalkulation, Zwischenkalkulation, Nachkalkulation
Kalkuliert wird dreimal im Leben eines Auftrags. Die Nachkalkulation ist die letzte der drei und die einzige, die mit echten Zahlen arbeitet statt mit Annahmen.
| Wann | Wie sie heisst | Welche Frage sie beantwortet |
|---|---|---|
| Vor der Offerte | Vorkalkulation | Was muss dieser Auftrag kosten, damit er sich rechnet? |
| Während der Arbeit | Zwischenkalkulation oder mitlaufende Kalkulation | Läuft der Auftrag aus dem Ruder, solange ich noch reagieren kann? |
| Nach dem Abschluss | Nachkalkulation | Was ist übrig geblieben, und an welcher Stelle? |
Nachkalkulation ist nicht Buchhaltung
Die Buchführung erfasst die Geschäftsvorfälle und Sachverhalte, die für die wirtschaftliche Lage des Betriebs nötig sind, und folgt dabei den Grundsätzen ordnungsmässiger Buchführung (OR Art. 957a); geordnet wird sie in der Praxis nach Konten. Nach dem Abschluss weisst du daraus, ob der Betrieb verdient hat. Welcher der hundertachtzig Aufträge das Geld gebracht hat und welcher es gekostet hat, steht nirgends. Dafür braucht es eine zweite Ordnung neben den Konten: Jede Stunde, jeder Materialbezug und jede Lieferantenrechnung trägt die Nummer des Auftrags, zu dem sie gehört. Diese Zuordnung ist die ganze Arbeit; das Rechnen selbst ist eine Subtraktion.
- Fakturiert, netto ohne Mehrwertsteuer
- CHF 18'400.00
- Stunden: 112.0 h zum internen Kostensatz von CHF 79.00
- CHF 8'848.00
- Material zum Einkaufspreis
- CHF 5'260.00
- Fremdleistung Sanitär
- CHF 2'150.00
- Belege: Entsorgung, Mietgerät, Parkkarten
- CHF 410.00
- Kosten total
- CHF 16'668.00
- Ergebnis dieses Auftrags, also 9.4 Prozent vom Erlös
- CHF 1'732.00
Während der Arbeit hat sich dieser Auftrag vermutlich gut angefühlt: Der Kunde war zufrieden, die Rechnung ging raus, das Geld kam. Wie schmal der Spielraum war, zeigt erst die Gegenrechnung. Zwanzig Stunden mehr, und es blieben noch CHF 152.00 übrig, denn 20 mal CHF 79.00 sind CHF 1'580.00. Darum ist der Satz, mit dem du die Stunden bewertest, die heikelste Zahl der ganzen Aufstellung.
Vier Fehler, die das Ergebnis schönrechnen
- Stunden zum Verrechnungssatz bewertet. Dann vergleichst du deinen Preis mit deinem Preis, und jeder Auftrag geht auf null auf. Welche zwei Zahlen es braucht, steht unter Stundensatz.
- Die Mehrwertsteuer mitgerechnet. Sie war nie dein Geld. Verglichen wird netto gegen netto, auf beiden Seiten.
- Einen Nachlass als Kosten gebucht. Ein Rabatt erhöht deine Kosten nicht, er senkt deinen Erlös. Er gehört auf die obere Zeile, sonst wandert der Fehler in jede Auswertung.
- Die Garantiearbeit vergessen. Wer drei Monate später zwei Tage nachbessert, schreibt diese Stunden gern auf einen neuen Auftrag. Sie gehören auf den alten, sonst stimmt dessen Ergebnis nicht.
Beim Pauschalpreis ist sie die einzige Kontrolle
Wurde die Vergütung zum Voraus genau bestimmt, musst du das Werk um diese Summe fertigstellen und darfst keine Erhöhung fordern, selbst wenn du mehr Arbeit oder grössere Auslagen hattest als vorgesehen (OR Art. 373 Abs. 1). Umgekehrt behältst du den vollen Preis, wenn es schneller ging (Abs. 3). Eine Erhöhung bewilligt nur das Gericht, und nur bei ausserordentlichen Umständen, die niemand voraussehen konnte (Abs. 2). Ob deine Pauschalen tragen, erfährst du deshalb nur hinterher, und zwar erst, wenn mehrere gleichartige Aufträge nebeneinanderliegen. Ein einzelner roter Auftrag kann Pech sein, drei rote sind ein Preis, der nicht stimmt.
So macht es KIDESK
In den handwerklichen und den Unterhaltsbranchen rechnet KIDESK die Nachkalkulation aus den Daten, die ohnehin anfallen: freigegebene Stunden zum internen Kostensatz, Material zum Einkaufspreis, zugeordnete Belege und Fremdleistungen. Die Tabelle zeigt je Auftrag, je Position und je Kapitel, was offeriert war und was es gekostet hat. Nicht jede Branche sieht dieses Modul, und den internen Kostensatz sehen nur Inhaber und Administration.
Häufige Fragen
Brauche ich dafür eine Kostenrechnung mit Kostenstellen?
Nein. Es genügt, wenn Stunden, Material, Belege und Fremdrechnungen einem Auftrag zugeordnet sind und du einen internen Kostensatz je Stunde kennst. Eine ausgebaute Betriebsbuchhaltung brauchen Kleinbetriebe für die Nachkalkulation nicht.
Welchen Stundensatz setze ich ein?
Den internen Kostensatz, also das, was dich die Stunde kostet: Lohn, Arbeitgeberbeiträge und der Anteil an den Gemeinkosten des Betriebs. Der Verrechnungssatz von der Rechnung hat hier nichts verloren, sonst ist die Marge rechnerisch immer null.
Zählt die Fahrzeit mit, auch wenn ich sie nicht verrechne?
Ja. Sie kostet dich Lohn und Fahrzeug, ob der Kunde sie zahlt oder nicht. Erfasse sie als eigene Zeitart. Taucht sie nirgends auf, sieht jeder Auftrag besser aus, als er war, und jede Anfahrt geht still zulasten der Marge.
Was mache ich mit dem Ergebnis?
Drei Dinge: den Preis der Leistung im Katalog anpassen, den Zeitansatz im Paket korrigieren, und bei Kunden oder Arbeiten, die sich nie rechnen, den nächsten Auftrag bewusst ablehnen. Eine Auswertung, aus der nichts folgt, kannst du dir sparen.
Quellen
Dieser Text ist eine allgemeine Information für Schweizer Unternehmen und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall. Wenn dir ein Fehler auffällt, schreib uns, wir korrigieren ihn.
