Begriff

Stundensatz: zwei Zahlen, nicht eine.

Kurz gesagt

Der Stundensatz ist der Preis einer Arbeitsstunde. Dahinter stecken zwei Zahlen, die nie verwechselt werden dürfen: der Kostensatz, also was dich die Stunde kostet, und der Verrechnungssatz, den du dem Kunden nennst. Gerechnet wird der Kostensatz aus den Jahreskosten ohne Material, geteilt durch die verrechenbaren Stunden; darauf kommt der Gewinnzuschlag. Einen amtlichen Stundensatz gibt es in der Schweiz nicht. Fehlt eine Abrede, wird der Preis nach dem Wert der Arbeit und den Aufwendungen festgesetzt (OR Art. 374).

Stand: . Geprüft anhand der unten genannten Quellen.

Die zwei Zahlen

Der Kostensatz oder Selbstkostensatz ist eine interne Zahl. Er enthält Lohn, Arbeitgeberbeiträge, Fahrzeug, Werkzeug, Kleider und den Anteil an Miete, Versicherung, Büro und Verwaltung, alles verteilt auf die Stunden, die sich verrechnen lassen. Er gehört auf kein Kundendokument, weder in eine Offerte noch in eine Rechnung noch in eine Mail.

Der Verrechnungssatz oder Stundenansatz ist der Preis, den der Kunde liest. Er entsteht aus dem Kostensatz plus Gewinnzuschlag, gerundet auf einen sauberen Betrag. Wer beide Zahlen im selben Feld führt, druckt irgendwann seine Lohnkosten auf eine Kundenrechnung. Diesen Fehler macht man genau einmal.

Sanitärinstallateur als Einzelfirma, ein Jahr
Kosten des Jahres ohne Material und Fremdleistungen
CHF 142'000.00
Verrechenbare Stunden im Jahr
1'250 h
Kostensatz: CHF 142'000.00 geteilt durch 1'250
CHF 113.60
Gewinnzuschlag 12 Prozent
CHF 13.63
Verrechnungssatz, gerundet, ohne Mehrwertsteuer
CHF 128.00

In den CHF 142'000.00 steckt bei einer Einzelfirma auch der eigene Lohn, sonst fehlt er in der Rechnung und der Satz fällt zu tief aus. Wie du auf die verrechenbaren Stunden kommst, steht unter Produktive Stunden; den vollständigen Rechenweg mit den Zahlen des letzten Geschäftsjahres zeigt der Stundenansatz für Handwerker.

Verwandte Begriffe, die nicht dasselbe meinen

BegriffWas gemeint ist
RegieansatzDer Verrechnungssatz für Arbeiten nach Aufwand. Er liegt in vielen Unternehmen über dem Ansatz im Pauschalvertrag, weil Regie kurzfristig anfällt und mehr Schreibarbeit verursacht
Mittlerer StundensatzEin Mischsatz über alle Funktionen. Bequem für die Offerte, gefährlich für die Nachkalkulation, weil der Lernende den Vorarbeiter quersubventioniert
Richtpreis oder Tarif eines VerbandsEine Kalkulationshilfe, keine Vorschrift. Verbindlich wird sie nur, wenn der Vertrag sie zur Grundlage erklärt
Mindestlohn aus GAV oder KantonEine Untergrenze für das, was du zahlen musst, nicht für das, was du verlangen darfst
Ausführlich steht der Unterschied zwischen Ansatz und Regie unter Regieansatz.

Ohne Abrede zählt der Wert der Arbeit

Ein vereinbarter Satz geht allem vor. Ist der Preis zum Voraus gar nicht oder nur ungefähr bestimmt worden, wird er nach Massgabe des Wertes der Arbeit und der Aufwendungen des Unternehmers festgesetzt (OR Art. 374). Das ist kein Freipass: Im Streit entscheidet das Gericht, und beweisen musst du deinen Aufwand. Darum gehört der Satz in die Offerte, je Funktion getrennt, und nicht erst in die Schlussrechnung.

Sag immer dazu, ob der Satz die Mehrwertsteuer enthält. CHF 128.00 ohne Steuer sind zum Normalsatz von 8.1 Prozent CHF 138.37 für den Privatkunden. Intern rechnest du weiter mit dem Nettosatz, sonst kalkulierst du dich in die eigene Tasche.

Prüfe den Satz einmal im Jahr neu, am besten direkt nach dem Abschluss mit der Treuhandstelle. Löhne, Prämien und Fahrzeugkosten steigen über die Jahre; ein Satz, der fünf Jahre unverändert steht, deckt seine Kosten irgendwann nicht mehr. Ob er im Alltag gehalten hat, zeigt die Nachkalkulation.

So macht es KIDESK

In KIDESK hinterlegst du je Mitarbeiter zwei Zahlen: den Verrechnungssatz und den internen Kostensatz. Der Kostensatz ist nur für Inhaber und Administration sichtbar und landet auf keinem Beleg. Beim Verrechnen löst KIDESK den Satz in einer festen Reihenfolge auf: Kondition des Kunden, dann Satz der Person, dann Satz der Katalogleistung, dann Satz des Betriebs. Deine Betriebskosten kennt KIDESK nicht, die stehen in deiner Buchhaltung.

Aufträge und Stunden in KIDESK Stundensatz berechnen

Häufige Fragen

Gibt es einen offiziellen Stundensatz für mein Gewerk?

Nein. In der Schweiz sind Mindestlöhne geregelt, nicht Verkaufspreise. Tarife von Berufsverbänden sind Kalkulationshilfen und binden dich nur, wenn der Vertrag sie zur Grundlage erklärt. Dein Satz entsteht aus deinen Kosten und deinen verrechenbaren Stunden.

Brauche ich mehrere Stundensätze?

Sobald mehr als eine Person arbeitet, ja. Üblich sind Sätze je Funktion, also Lernender, Monteur, Vorarbeiter, Chef, dazu eigene Sätze für Regie und Notfalleinsätze. Ein einziger Mischsatz verdeckt, welche Arbeit sich rechnet und welche nicht.

Gehören Zuschläge in den Stundensatz?

Nein. Zuschläge für Nacht, Wochenende und Feiertag kommen auf den vereinbarten Ansatz obendrauf und müssen vereinbart sein. Rechnest du sie in den Grundsatz ein, ist dein Tagesansatz zu teuer und dein Nachtansatz zu billig.

Mein gerechneter Satz liegt über dem, was Kunden zahlen. Was nun?

Der gerechnete Satz ist die Wahrheit über deine Kosten, nicht über den Markt. Prüfe zuerst die beiden Grössen dahinter: Sind die verrechenbaren Stunden zu tief angesetzt, oder trägt der Betrieb Kosten, die kein Auftrag deckt? Erst danach ist es eine Preisfrage.

Quellen

Dieser Text ist eine allgemeine Information für Schweizer Unternehmen und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall. Wenn dir ein Fehler auffällt, schreib uns, wir korrigieren ihn.

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