Warum fast alles Normalsatz ist
Das Gesetz geht von oben nach unten vor: Zuerst steht der Normalsatz, danach folgen die Ausnahmen. Der reduzierte Satz von 2.6 Prozent hat eine abschliessende Liste von Gegenständen und Leistungen, der Sondersatz von 3.8 Prozent gilt nur für die Beherbergung. Was in keiner dieser Listen steht, ist Normalsatz. Bei Arbeit ist der tiefere Satz die Ausnahme: Er hängt in der Regel am gelieferten Gegenstand, nicht an der Stunde, die du dafür aufwendest. Das Gesetz nennt nur wenige Leistungen zu 2.6 Prozent, etwa die Bodenbearbeitung im unmittelbaren Zusammenhang mit der landwirtschaftlichen Urproduktion (MWSTG Art. 25 Abs. 2 Bst. d).
Damit tragen Montage, Reparatur, Unterhalt, Reinigung, Transport, Beratung, Planung und der Verkauf der allermeisten Waren 8.1 Prozent. Dasselbe gilt für alles, was du daneben verrechnest: Anfahrt, Porto, Kleinmaterial, Entsorgung und Spesen teilen den Satz der Hauptleistung.
Rechnen mit 8.1 Prozent
Aus netto wird brutto, indem du mit 1.081 multiplizierst. Umgekehrt steckt in einem Bruttobetrag nicht 8.1 Prozent Steuer, sondern 8.1 geteilt durch 108.1, also rund 7.4931 Prozent. Das ist der Rechenfehler, der auf Pauschalen am häufigsten passiert.
- Arbeit, 32 Stunden zu CHF 95.00
- CHF 3'040.00
- Material, Farbe und Abdeckung
- CHF 1'820.00
- Zwischentotal ohne Steuer
- CHF 4'860.00
- Mehrwertsteuer 8.1 Prozent
- CHF 393.66
- Rechnungsbetrag
- CHF 5'253.66
Und der umgekehrte Weg: Vereinbarst du eine Pauschale von CHF 1'500.00 inklusive Steuer, stecken darin CHF 112.40 Mehrwertsteuer (1'500.00 mal 8.1 geteilt durch 108.1), netto bleiben CHF 1'387.60. Wer stattdessen 8.1 Prozent auf die CHF 1'500.00 rechnet, kommt auf CHF 121.50 und deklariert damit zu viel. Nachrechnen lässt sich beides mit dem MwSt-Rechner.
Typische Fehler
- Der alte Satz in der Vorlage. Bis Ende 2023 lag der Normalsatz bei 7.7 Prozent. In Offertentexten, Preislisten und Word-Vorlagen steht diese Zahl oft noch.
- Steuer auf den Bruttobetrag rechnen. Aus einem Betrag inklusive Steuer holst du die Steuer mit 8.1 geteilt durch 108.1 heraus, nicht mit 8.1 Prozent.
- Den Normalsatz auf eine ausgenommene Leistung setzen. Vermietest du eine Wohnung und weist dafür 8.1 Prozent aus, schuldest du die ausgewiesene Steuer trotzdem (MWSTG Art. 27 Abs. 2).
- Den bewilligten Saldosteuersatz auf die Rechnung schreiben. Auf der Kundenrechnung steht 8.1 Prozent, auch wenn du nach Saldosteuersatz abrechnest.
So macht es KIDESK
Neue Positionen starten in KIDESK mit 8.1 Prozent. Änderst du den Satz an einer Position, rechnet der Beleg sofort neu, und das PDF druckt genau die Steuer, die gespeichert ist. Steht im Betriebsprofil, dass du nicht mehrwertsteuerpflichtig bist, setzt der Editor jede Position auf 0 Prozent und schreibt dir dazu, dass er das getan hat. Das greift auch, wenn du eine alte Rechnung mit 8.1 Prozent kopierst.
Häufige Fragen
Wie rechne ich 8.1 Prozent aus einem Bruttobetrag heraus?
Multipliziere den Bruttobetrag mit 8.1 und teile durch 108.1. Aus CHF 1'500.00 inklusive Steuer werden so CHF 112.40 Mehrwertsteuer und CHF 1'387.60 netto. Die verbreitete Rechnung «8.1 Prozent von 1'500.00» ergibt CHF 121.50 und ist zu hoch.
Gilt der Normalsatz auch für Material, das ich weiterverrechne?
Ja, wenn das Material zu einer Leistung zum Normalsatz gehört. Der Satz richtet sich nach der Hauptleistung. Eine Ausnahme kennt das Gesetz für lebende Pflanzen, Schnittblumen und ähnliche Gegenstände: Sie bleiben beim reduzierten Satz, wenn sie gesondert in Rechnung gestellt werden.
Ich arbeite für eine Vermieterin, die keine Mehrwertsteuer abrechnet. Was gilt?
Der Normalsatz von 8.1 Prozent. Dass deine Kundin eine ausgenommene Leistung erbringt und die Vorsteuer nicht abziehen kann, ändert an deiner Rechnung nichts. Der Satz hängt an deiner Leistung, nicht daran, was der Kunde damit macht.
Muss ich die Steuer je Position oder auf dem Total rechnen?
Beides kommt vor. Entscheidend ist, dass der Beleg je Steuersatz die Bemessungsgrundlage und den Steuerbetrag zeigt (MWSTG Art. 26 Abs. 2 Bst. f). Bleib innerhalb eines Belegs bei einem Weg, sonst weichen Positionssummen und Total um Rappen voneinander ab.
Quellen
Dieser Text ist eine allgemeine Information für Schweizer Unternehmen und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall. Wenn dir ein Fehler auffällt, schreib uns, wir korrigieren ihn.
