Frage

Gibt es Rechnungssoftware mit KI?

Kurz gesagt

Ja, mehrere Anbieter werben damit. Nur meint «KI» je nach Programm etwas anderes: Belege auslesen, Diktat, Textentwürfe, Suchen in den eigenen Daten oder ein Assistent, der im Programm wirklich etwas tut. Lass dir darum nie «mit KI» verkaufen, sondern frag, welche dieser fünf Sachen das Programm macht, ob sie im Preis inbegriffen sind und ob eine Aktion erst nach deiner Bestätigung ausgeführt wird. Verantwortlich für jede Zahl auf der Rechnung bleibst du, auch wenn eine Maschine sie gesetzt hat.

Stand: . Geprüft anhand der unten genannten Quellen.

«KI» steht für fünf verschiedene Dinge

Auf der Seite eines Anbieters steht ein Wort, im Programm steckt eine von fünf ganz verschiedenen Funktionen. Sie unterscheiden sich darin, wie viel sie dir wirklich abnehmen und wie viel du danach prüfen musst.

FunktionWas sie liefertWas du prüfst
Belege auslesenAus dem Foto einer Lieferantenrechnung werden Betrag, Datum, Lieferant und SteuersatzBetrag und Satz. Bei Handschrift, Thermopapier und mehrseitigen Belegen wird es ungenau
DiktatGesprochenes wird Text, im Fahrzeug oder auf der BaustelleEigennamen, Zahlen und Einheiten. Fachwörter deines Gewerks sitzen nicht immer
TextentwürfePositionstexte, Begleitmail, Mahnungstext, ein erster Wurf statt eines leeren FeldesAlles Inhaltliche. Ein Entwurf ergänzt gern Leistungen, die du gar nicht erbringst
In den eigenen Daten suchenAntworten auf Fragen wie «Was hat der Umbau Meier letztes Jahr gekostet?»Ob die Zahl aus deinen Daten stammt oder geschätzt ist. Lass dir den Beleg zeigen
Im Programm handelnEin Assistent legt eine Position an, setzt einen Rabatt, öffnet eine Seite, stellt eine Rechnung fertigOb vor heiklen Schritten eine Bestätigung kommt und ob du siehst, was geändert wurde
Die ersten beiden sparen Tipparbeit, die dritte spart den Anfang, die vierte spart Suchen. Nur die fünfte verändert wirklich etwas an deinen Daten, und darum gelten dort die strengsten Fragen.

Die Frage, die den Unterschied macht: vorschlagen oder ausführen?

Ein Programm, das Vorschläge macht, ist ungefährlich und spart wenig. Ein Programm, das handelt, spart viel und braucht Riegel. Frag in jeder Vorführung nach, auf welcher der drei Stufen die Funktion steht, die dir gezeigt wird.

  1. Vorschlag: Das Programm schlägt etwas vor, du übernimmst es von Hand. Nichts ändert sich, bis du klickst.
  2. Entwurf: Das Programm schreibt den Entwurf direkt in den Beleg, hebt aber hervor, was es angefasst hat. Du siehst den Unterschied und kannst zurück.
  3. Ausführung: Das Programm tut es. Hier muss vor allem, was hinausgeht oder Geld betrifft, eine Bestätigung stehen: Rechnung versenden, Mahnung auslösen, Zahlung erfassen, Preise ändern.
Achtung: Lass dir zeigen, was passiert, wenn du eine unsinnige Anweisung gibst. «Setz allen Positionen 90 Prozent Rabatt» ist ein guter Test. Ein Programm, das das ohne Rückfrage macht, macht auch den Tippfehler ohne Rückfrage.

Sieben Fragen an den Anbieter

  1. Welche der fünf Funktionen sind eingebaut? Lass sie dir einzeln vorführen, nicht als Video.
  2. Was kostet die KI zusätzlich? Getrennte Pakete, ein Kontingent an Anfragen oder inbegriffen: Das verändert den Jahrespreis, je nachdem, wie viel du die KI nutzt.
  3. Wohin gehen meine Daten? In welches Land, zu welchem Dienstleister. Bearbeitet jemand für dich Personendaten, ist er Auftragsbearbeiter nach Art. 9 DSG, und er darf die Bearbeitung nur mit deiner vorgängigen Genehmigung an einen Dritten weitergeben. Worauf du bei Software achtest, die beim Anbieter läuft und nicht auf deinem Rechner, steht in Cloud-Software und Datenschutz.
  4. Werden meine Eingaben zur Verbesserung der Modelle verwendet? Lass dir die Antwort schriftlich geben, mit Verweis auf die Stelle im Vertrag oder in der Datenschutzerklärung.
  5. Was passiert bei einer Fehlauslesung? Wie korrigierst du einen falsch gelesenen Betrag, und bleibt sichtbar, dass korrigiert wurde?
  6. Kann ich die Funktion abschalten? Für einzelne Personen im Betrieb, für einzelne Bereiche.
  7. Gilt das auch auf dem Handy? Diktat und Belegfoto nützen im Büro am wenigsten.

Was sich lohnt, in Minuten gerechnet

Die Ersparnis ist real, aber kleiner, als Werbung verspricht. Rechne mit deinen eigenen Zahlen nach, hier ein Betrieb mit rund 300 Lieferantenbelegen im Jahr:

Belege erfassen, von Hand und mit Auslesen
Belege im Jahr
300
Von Hand erfassen, je Beleg 2 Minuten
600 Minuten
Ausgelesenes prüfen und freigeben, je Beleg 40 Sekunden
200 Minuten
Ersparnis im Jahr
400 Minuten, also 6 Stunden 40 Minuten

Knapp sieben Stunden im Jahr sind kein Grund, ein Programm zu wechseln. Der eigentliche Gewinn liegt woanders: Belege, die am selben Abend erfasst sind, statt in einer Schachtel bis zum Quartalsende. Dasselbe gilt fürs Diktat. Wer die Offerte auf der Rückfahrt spricht statt am Sonntag zu schreiben, gewinnt nicht Minuten, sondern den Sonntag. Wie weit ein Entwurf dabei trägt und wo er kippt, steht in Offerten mit KI schreiben lassen.

Verantwortlich bleibst du

Rechtlich ändert KI an deiner Stellung nichts. Die Rechnung ist deine Rechnung: Bist du mehrwertsteuerpflichtig, müssen die Angaben nach MWSTG Art. 26 stimmen, und zwar auch dann, wenn ein Assistent sie gesetzt hat. Eine Offerte bindet dich bis zum Ablauf der Annahmefrist, ausser du hast ihr einen Vorbehalt wie «freibleibend» beigefügt oder ein solcher Vorbehalt ergibt sich aus der Natur des Geschäfts oder den Umständen (OR Art. 3 und 7). Deshalb die einzige Hausregel, die du wirklich brauchst: Die Maschine entwirft, du gibst frei. Wie weit das im Alltag trägt, steht in KI im Handwerksbüro.

Was in der Schweiz rechtlich gilt

Ein eigenes Schweizer KI-Gesetz gibt es nicht. Der Bundesrat hat am 12. Februar 2025 entschieden, die KI-Konvention des Europarats ins Schweizer Recht zu übernehmen und das Recht dort, wo es nötig ist, möglichst sektorbezogen anzupassen; eine Vernehmlassungsvorlage soll bis Ende 2026 vorliegen. Bis dahin gilt für KI das bestehende Recht, vor allem das Datenschutzgesetz. Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte hat schon im November 2023 festgehalten, dass das geltende Datenschutzgesetz direkt auf KI anwendbar ist. Die KI-Verordnung der Europäischen Union (Verordnung (EU) 2024/1689) regelt ihren Geltungsbereich in Art. 2: Sie trifft dich nur, wenn du KI-Systeme in der EU in Verkehr bringst oder betreibst oder wenn das Ergebnis in der EU verwendet wird. Wer in der Schweiz Software mit KI-Funktionen benutzt und die Ergebnisse nicht in der EU verwendet, ist davon nicht direkt betroffen.

Der Unterschied zwischen KI im Programm und einem allgemeinen Chatdienst im Browser ist der Vertrag. Beim Programm weisst du, wer für dich bearbeitet, und kannst es regeln. Tippst du Kundennamen und Adressen in einen beliebigen Chatdienst, gibst du Personendaten weiter, ohne das geregelt zu haben. Was du dort besser weglässt, steht in ChatGPT im Betrieb.

So macht es KIDESK

In KIDESK sitzt die KI unten auf jeder Seite, und sie kennt die Seite, auf der du gerade bist. Du schreibst oder diktierst, was du brauchst, und die Antwort erscheint in einem Feld daneben. Im Editor führt sie eindeutige Änderungen aus und hebt geänderte Positionen hervor, damit du siehst, was angefasst wurde; heikle Aktionen bestätigst du, bevor sie ausgeführt werden. Belege fotografierst du, KIDESK liest Betrag, Datum und Mehrwertsteuer heraus und schlägt Konto und MwSt-Code vor; du prüfst und gibst frei. Diktieren geht auch unterwegs, die Spracherkennung läuft in Zürich. Text aus Belegen und Kundennotizen behandelt KIDESK als Daten, nicht als Befehl. Die KI ist im Preis inbegriffen, du buchst sie nicht als Zusatzpaket dazu.

Die KI in KIDESK Diktieren und Sprachmodus Beleg fotografieren

Häufige Fragen

Kann eine KI die Rechnung selbst verschicken?

Technisch ja, sinnvoll nur mit Bestätigung. Alles, was den Betrieb verlässt oder Geld betrifft, gehört vor dem Versand unter deine Augen: Empfänger, Betrag, Positionen, Zahlungsfrist. Frag den Anbieter, an welchen Stellen eine Rückfrage kommt und ob du diese Schwelle selbst setzen kannst.

Rechnet die KI meine Preise aus?

Nein, das soll sie auch nicht. Ein Sprachmodell erzeugt Text; auf eine Summe, die es selbst hinschreibt, ist kein Verlass. Summen, Rabatte, Mehrwertsteuer und Rundungen gehören an die Rechenstelle des Programms. Lass dir in der Vorführung zeigen, an welcher Stelle die Beträge entstehen, und rechne eine Position mit Rabatt einmal von Hand nach.

Kostet die KI extra?

Das ist von Anbieter zu Anbieter verschieden: inbegriffen, als Zusatzpaket oder nach Anzahl Anfragen. Frag danach, bevor du vergleichst, sonst vergleichst du zwei verschiedene Preise. Und frag, was passiert, wenn ein Kontingent aufgebraucht ist.

Darf die Software meine Kundendaten überhaupt an eine KI geben?

Wenn sie es für dich tut, ist sie Auftragsbearbeiterin nach Art. 9 DSG: Sie darf die Daten nur so bearbeiten, wie du es selbst dürftest, und sie braucht für jeden weiteren Dienstleister deine vorgängige Genehmigung. Gehen die Daten ins Ausland, gelten zusätzlich die Regeln für die Bekanntgabe ins Ausland (Art. 16 DSG). Lies darum die Datenschutzerklärung und den Vertrag, und frag nach, in welchem Land bearbeitet wird.

Was mache ich, wenn die KI einen Betrag falsch gelesen hat?

Korrigieren und weitermachen. Wichtig ist nur, dass die Korrektur sichtbar bleibt und der ursprüngliche Beleg unverändert liegen bleibt: Am Schluss zählt der Beleg, nicht das Ausgelesene. Wiederholt sich derselbe Fehler bei einem Lieferanten, meld ihn dem Anbieter.

Brauche ich KI überhaupt?

Nein. Ein Programm, das saubere Rechnungen mit QR-Einzahlungsschein schreibt, offene Posten zeigt und mahnt, löst deine Hauptprobleme. KI ist die Schicht darüber und lohnt sich dort, wo viel geschrieben oder viel erfasst wird. Wähl das Programm nach dem, was es ohne KI kann, und nimm die KI als Zugabe.

Quellen

Dieser Text ist eine allgemeine Information für Schweizer Unternehmen und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall. Wenn dir ein Fehler auffällt, schreib uns, wir korrigieren ihn.

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