Entscheidend ist der Zeitpunkt, nicht die Höhe
Die Anfahrt ist kein gesetzlicher Zuschlag, den es einfach gibt. Sie ist ein Teil des Preises. Preisbestandteile werden beim Vertragsschluss vereinbart, nicht danach. Steht die Pauschale in der Offerte, die der Kunde angenommen hat, im Werkvertrag oder in AGB, auf die du vor dem Auftrag hingewiesen hast, schuldet er sie. Steht sie zum ersten Mal auf der Rechnung, kann er sie bestreiten, und du musst dann über den Umweg des Gesetzes argumentieren. Formulierungen zum Kopieren stehen im Ratgeber Fahrzeit und Anfahrt verrechnen.
Ohne Abrede: Werkvertrag oder Auftrag?
Welche Regel greift, hängt davon ab, was du schuldest. Ein Werkvertrag schuldet ein Ergebnis, etwa die reparierte Heizung oder die gestrichene Fassade. Ein Auftrag schuldet sorgfältiges Tätigwerden, etwa eine Beratung oder eine Betreuung. Verträge über Arbeitsleistung, die keiner anderen Vertragsart unterstehen, gelten als Auftrag.
| Vertragsart | Was ohne Abrede gilt | Was du belegen musst |
|---|---|---|
| Werkvertrag (Reparatur, Montage, Bauarbeit) | Preis nach dem Wert der Arbeit und den Aufwendungen des Unternehmers (OR Art. 374) | Dass die Fahrt für das Werk nötig war, mit Kilometern und Zeit |
| Auftrag (Beratung, Betreuung, Dienstleistung) | Vergütung, soweit sie verabredet oder üblich ist (OR Art. 394 Abs. 3) | Die Verabredung, sonst die Üblichkeit in deiner Branche und Gegend |
| Fester Preis für ein beschriebenes Werk | Der Preis deckt alles ab, auch die Fahrt (OR Art. 373 Abs. 1) | Nichts, aber du kannst auch nichts zusätzlich verlangen |
Die «Üblichkeit» ist dünneres Eis, als sie klingt. Üblich ist nicht, was du seit zehn Jahren so machst, sondern was in deiner Branche und Gegend allgemein so gehandhabt wird, und das muss im Streitfall jemand belegen. Deshalb ist die Zeile in der Offerte auch dort der bessere Weg, wo du sicher bist, dass alle es so machen.
Drei Fälle, in denen du die Anfahrt nicht verrechnest
- Du fährst wegen eines eigenen Mangels hin. Der Besteller kann bei minder erheblichen Mängeln die unentgeltliche Verbesserung des Werkes verlangen, sofern sie dir nicht übermässige Kosten verursacht (OR Art. 368 Abs. 2). Unentgeltlich heisst unentgeltlich, die Fahrt zur Nachbesserung gehört dazu. Betrifft der Mangel eine Baute, ist eine zum Voraus getroffene Abrede, die diesen Anspruch einschränkt, bei Verträgen ab dem 1. Januar 2026 ungültig (Abs. 2bis).
- Der Preis ist pauschal. Beim fest vereinbarten Preis musst du das Werk um diese Summe fertigstellen, selbst bei mehr Arbeit oder grösseren Auslagen (OR Art. 373 Abs. 1). Die Anfahrt steckt dann im Preis, auch wenn du dreimal fahren musst.
- Die Fahrt steckt schon im Stundenansatz. Wer die Wegzeit in die Kalkulation des Stundensatzes eingerechnet hat und sie zusätzlich als Pauschale verrechnet, verlangt sie zweimal. Entscheide dich für einen Weg, im ganzen Betrieb. Wie du den Ansatz rechnest, steht im Ratgeber Stundenansatz für Handwerker.
Der Kunde ist nicht da, du stehst vor der Tür
Die vergebliche Anfahrt ist der häufigste Streitfall im Servicegeschäft. Beim Werkvertrag kann der Besteller jederzeit zurücktreten, solange das Werk unvollendet ist, aber nur gegen Vergütung der bereits geleisteten Arbeit und gegen volle Schadloshaltung des Unternehmers (OR Art. 377). Beim Auftrag darf jede Partei jederzeit widerrufen oder kündigen; wer das zur Unzeit tut, schuldet Schadenersatz (OR Art. 404). Beides hilft dir nur, wenn du beziffern kannst, was der Leerlauf gekostet hat.
Einfacher ist eine Zeile in der Auftragsbestätigung. Zum Beispiel: «Wird der vereinbarte Termin nicht spätestens 24 Stunden vorher abgesagt oder ist der Zugang zum Objekt nicht möglich, wird die vergebliche Anfahrt mit CHF [Betrag] verrechnet.» Den Betrag setzt du nach deinem Aufwand ein, nicht nach Gefühl.
Was du dem Kunden verrechnest und was du dem Monteur schuldest
Das sind zwei getrennte Fragen, die im Alltag dauernd vermischt werden. Ob die Fahrt für deinen Mitarbeiter Arbeitszeit ist, richtet sich nach der Verordnung 1 zum Arbeitsgesetz und nicht nach deiner Offerte: Die Antwort dazu steht unter Ist die Fahrzeit zum Kunden Arbeitszeit?. Was du für sein Privatauto entschädigst, steht im Ratgeber Kilometerentschädigung 2026. Du kannst dem Kunden eine Anfahrtspauschale verrechnen und deinem Monteur für denselben Weg keine Fahrzeit schulden. Beides ist gleichzeitig richtig.
So macht es KIDESK
In KIDESK legst du die Anfahrt einmal als Position im Katalog an, als Pauschale oder mit einem Kilometerpreis, und setzt sie mit zwei Klicks in Offerte und Rechnung. Die Einheit «km» wählst du auf der Zeile im Beleg. Wird aus der Offerte der Auftrag und daraus die Rechnung, kommt die Position mit, ohne dass du sie neu tippst. Die Reisezeit erfassen deine Leute am Auftrag als eigenes Feld, getrennt von der Arbeitszeit. Ob deine Pauschale vereinbart ist, weiss KIDESK nicht: Dieser Satz gehört in deine Offerte.
Häufige Fragen
Wie hoch darf eine Anfahrtspauschale sein?
Eine gesetzliche Obergrenze gibt es nicht. Sie sollte deinem Aufwand entsprechen, also Fahrzeit, Kilometer und Fahrzeugkosten. Je weiter sie sich davon entfernt, desto eher wird sie im Streit gekürzt, und bei Konsumenten kommt die Inhaltskontrolle von AGB nach UWG Art. 8 dazu.
Darf ich Hin- und Rückfahrt verrechnen?
Ja, wenn das aus deiner Abrede hervorgeht. Schreib in die Offerte, was die Pauschale abdeckt, zum Beispiel «pro Einsatz und Fahrzeug, Hin- und Rückfahrt innerhalb von 20 Kilometern». Ohne diesen Zusatz diskutierst du beim ersten weiter entfernten Kunden über die zweite Fahrt.
Muss die Anfahrt als eigene Position auf der Rechnung stehen?
Nötig ist es nicht, sinnvoll schon. Eine eigene Position lässt sich prüfen und verhandeln, ein stiller Aufschlag auf den Stundenansatz nicht. Rechnest du mit Mehrwertsteuer ab, läuft die Position zum Satz der Hauptleistung.
Kann ich die Anfahrt bei einer Garantiearbeit verrechnen?
Nicht, wenn du wegen eines Mangels deiner eigenen Arbeit hinfährst: Die Verbesserung ist unentgeltlich (OR Art. 368 Abs. 2). Stellt sich vor Ort heraus, dass gar kein Mangel vorliegt oder die Ursache beim Kunden liegt, ist es ein neuer Auftrag, und dann gilt, was ihr dafür vereinbart.
Und wenn zwei Monteure im selben Auto anreisen?
Dann fällt die Fahrt einmal an, nicht zweimal. Verrechnest du die Pauschale je Person, muss das ausdrücklich so vereinbart sein. Sauberer ist die Formulierung «je Einsatz und Fahrzeug», dazu die Fahrzeit je Person, wenn du sie nach Aufwand verrechnest.
Quellen
- Obligationenrecht (OR), Art. 373 und 374: fester Preis und Festsetzung nach dem Wert der Arbeit
- Obligationenrecht (OR), Art. 394 Abs. 3: Vergütung beim Auftrag, wenn verabredet oder üblich
- Obligationenrecht (OR), Art. 377: Rücktritt des Bestellers gegen Schadloshaltung
- Obligationenrecht (OR), Art. 404: Widerruf und Kündigung des Auftrags, Schaden bei Kündigung zur Unzeit
- Obligationenrecht (OR), Art. 368: Rechte des Bestellers bei Mängeln
- Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), Art. 8: Verwendung missbräuchlicher Geschäftsbedingungen
- Zivilgesetzbuch (ZGB), Art. 8: Beweislast
- Mehrwertsteuergesetz (MWSTG), Art. 24: Bemessungsgrundlage und Kostenersatz
Dieser Text ist eine allgemeine Information für Schweizer Unternehmen und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall. Wenn dir ein Fehler auffällt, schreib uns, wir korrigieren ihn.
