KIDESK

Frage

Ist die Fahrzeit zum Kunden Arbeitszeit?

Kurz gesagt

Kommt darauf an: Der Weg von zu Hause zu dem Ort, an dem jemand normalerweise arbeitet, gilt nicht als Arbeitszeit. Ist die Arbeit ausnahmsweise auswärts zu leisten und fällt die Wegzeit dadurch länger aus als üblich, so ist die Differenz zur normalen Wegzeit Arbeitszeit (Verordnung 1 zum Arbeitsgesetz, ArGV 1 Art. 13 Abs. 1 und 2). Fahrten von einem Einsatz zum nächsten während des Arbeitstags sind Arbeitszeit. Das Arbeitsgesetz regelt damit nur, was bei Höchstarbeitszeit, Ruhezeit und Zeiterfassung mitzählt. Was für diese Zeit bezahlt wird, steht im Arbeitsvertrag oder im Gesamtarbeitsvertrag.

Stand: . Geprüft anhand der unten genannten Quellen.

Drei Fragen, die ständig vermischt werden

  • Zählt die Zeit als Arbeitszeit? Das ist eine Frage des Arbeitsgesetzes. Es geht um Höchstarbeitszeit, Ruhezeit und darum, was du aufzeichnen musst.
  • Wird die Zeit bezahlt, und zu welchem Satz? Das ist eine Frage des Arbeitsvertrags, eines Gesamtarbeitsvertrags (GAV) oder dessen, was im Betrieb üblich ist. Das Arbeitsgesetz sagt dazu nichts.
  • Darfst du die Zeit dem Kunden verrechnen? Das ist eine dritte, davon unabhängige Frage. Entschieden wird das in deiner Offerte, nicht im Gesetz. Dazu gibt es den Ratgeber zu Fahrzeit und Anfahrt.

Diese Seite beantwortet die erste Frage genau und sagt bei der zweiten, worauf es ankommt. Wer alles drei in einen Topf wirft, zahlt am Ende entweder zu viel Lohn oder zu wenig, und in beiden Fällen ohne saubere Grundlage.

Der Wortlaut: ArGV 1 Art. 13

Arbeitszeit ist «die Zeit, während der sich der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin zur Verfügung des Arbeitgebers zu halten hat». Und weiter: «die Zeit, die für den Weg zu und von der Arbeit eingesetzt wird, gilt nicht als Arbeitszeit». Das ist der Grundsatz in Absatz 1. Absatz 2 bringt die Ausnahme, die für Handwerk, Reinigung und Service entscheidend ist: Ist die Arbeit ausserhalb des Ortes zu leisten, an dem jemand normalerweise arbeitet, und fällt die Wegzeit dadurch länger aus als üblich, so ist die zeitliche Differenz zur normalen Wegzeit Arbeitszeit.

SituationArbeitszeit nach Arbeitsgesetz?Grundlage
Weg von zu Hause zum Betrieb oder zum üblichen ArbeitsortNeinArGV 1 Art. 13 Abs. 1
Weg von zu Hause direkt zu einem auswärtigen EinsatzortNur die Mehrzeit gegenüber dem normalen WegArGV 1 Art. 13 Abs. 2
Fahrt zum Einsatzort, nachdem die Arbeit im Betrieb begonnen hatJa, ab Arbeitsbeginn hält sich die Person zur VerfügungArGV 1 Art. 13 Abs. 1
Fahrt von einem Kunden zum nächsten während des TagesJaArGV 1 Art. 13 Abs. 1
Rückreise vom auswärtigen Einsatzort am AbendNur die Mehrzeit nach Absatz 2. Sie darf den Zeitraum der täglichen Arbeitszeit und die wöchentliche Höchstarbeitszeit überschreiten, und die Ruhezeit von 11 Stunden beginnt erst zu HauseArGV 1 Art. 13 Abs. 2 und 3
Hin- und Rückreise ins Ausland, Schweizer AnteilMindestens im Umfang der Mehrzeit nach Absatz 2ArGV 1 Art. 13 Abs. 3bis
Angeordnete oder gesetzlich verlangte WeiterbildungJaArGV 1 Art. 13 Abs. 4
Verordnung 1 zum Arbeitsgesetz (ArGV 1), Fassung vom 1. September 2024.

Wo liegt der «übliche Arbeitsort»?

An dieser einen Angabe hängt die ganze Rechnung. Bei einem Malerbetrieb mit Magazin ist es meist das Magazin: Dort wird Material geladen, dort beginnt der Tag. Der Weg von zu Hause dorthin ist Arbeitsweg, also keine Arbeitszeit. Fährt dieselbe Person am Montag direkt auf eine Baustelle im Nachbarkanton, zählt die Mehrzeit. Ob ein Einsatz, der Monate dauert, den üblichen Arbeitsort verschiebt, ist Auslegungssache. Und wer gar keinen festen Arbeitsort hat, etwa eine Servicemonteurin, die jeden Morgen direkt zum ersten Kunden fährt, fällt nach der Wegleitung des SECO nicht unter Absatz 2: Diese Lage ist in der Verordnung nicht geregelt. Genau darum gehört der Arbeitsort in den Arbeitsvertrag, zusammen mit der Regel, was bei auswärtigen Einsätzen gilt.

Monteur fährt eine Woche auf eine auswärtige Baustelle
Normaler Arbeitsweg von zu Hause ins Magazin, eine Strecke
20 Minuten
Fahrt von zu Hause direkt zur Baustelle, eine Strecke
55 Minuten
Mehrzeit je Strecke
35 Minuten
Hin und zurück, also zwei Strecken pro Tag
70 Minuten
Fünf Arbeitstage
350 Minuten
Arbeitszeit aus der Wegzeit in dieser Woche
5 Stunden 50 Minuten

Diese 5 Stunden 50 Minuten zählen zur wöchentlichen Höchstarbeitszeit von 50 Stunden, die für die meisten Handwerks- und Baubetriebe gilt; für Büropersonal und Angestellte sind es 45 Stunden (Arbeitsgesetz Art. 9 Abs. 1). Wer die Wegzeit nicht mitrechnet, übersieht genau dann eine Überschreitung, wenn die Woche ohnehin lang war.

Arbeitszeit heisst nicht automatisch voller Stundenlohn

Das Arbeitsgesetz ist öffentliches Recht. Es schützt die Gesundheit und begrenzt die Arbeitszeit, über den Lohn sagt es nichts. Wie Wegzeit entschädigt wird, ergibt sich aus dem Arbeitsvertrag, aus einem GAV oder aus dem, was im Betrieb gelebt wird. Am wenigsten Streit gibt es mit der einfachsten Regel: Was als Arbeitszeit zählt, wird wie Arbeitszeit bezahlt. Wer für Wegzeit einen tieferen Satz will, muss ihn schriftlich vereinbaren, und ein GAV oder ein kantonaler Mindestlohn kann dem Grenzen setzen.

Achtung: Die Auslagen sind etwas anderes als die Zeit. Notwendige Auslagen, die durch die Arbeit entstehen, muss der Betrieb ersetzen, bei auswärtigen Einsätzen auch die Aufwendungen für den Unterhalt (OR Art. 327a Abs. 1). Eine Abrede, wonach die Mitarbeitenden diese Auslagen selbst tragen, ist nichtig (Abs. 3). Für das private Auto im Dienst gilt OR Art. 327b. Eine Pauschale ist erlaubt, sie muss aber alle notwendigen Auslagen decken.

Beispiel aus einem Gesamtarbeitsvertrag

Der Gesamtarbeitsvertrag für die Reinigungsbranche in der Deutschschweiz 2026 bis 2029 schreibt in Art. 14.1 ausdrücklich: «Die Reisezeit von einem Kunden zum anderen gilt als Arbeitszeit», ausgenommen sind die Mittagspause und die üblichen Pausen, und «Die Reisezeit vom Wohnort zum üblichen Arbeitsort gehört nicht zur Arbeitszeit». Dazu kommt eine Entschädigung für die Reisekosten mit dem öffentlichen Verkehr. Die Arbeitszeitkontrolle muss nach Art. 6.3 pro Tag und Person den Einsatzort und die Arbeitszeit von und bis enthalten, «einschliesslich anzurechnender Reisezeiten». Dieser GAV ist allgemeinverbindlich für Betriebe ab sechs Mitarbeitenden; wesentliche Teile gelten über die erleichterte Allgemeinverbindlichkeit auch für kleinere Betriebe. Prüfe immer zuerst, ob ein GAV für dein Gewerk und deinen Kanton gilt: Er geht dem Arbeitsvertrag vor, wenn er für die Mitarbeitenden günstiger ist.

Unfall unterwegs: eine eigene Frage

Ob die Fahrt als Arbeitszeit zählt, entscheidet nicht darüber, wie ein Unfall versichert ist. Unfälle auf Geschäfts- und Dienstreisen gelten als Berufsunfälle, vom Verlassen der Wohnung bis zur Rückkehr, ausser der Unfall passiert in der Freizeit (Verordnung über die Unfallversicherung, UVV Art. 12 Abs. 1 Bst. a). Auch Transporte auf dem Arbeitsweg mit betriebseigenen Fahrzeugen, die der Betrieb organisiert und finanziert, sind Berufsunfälle (Bst. d). Wer weniger als acht Stunden pro Woche beim selben Arbeitgeber arbeitet, ist nicht gegen Nichtberufsunfälle versichert; bei diesen Personen gelten Unfälle auf dem Arbeitsweg als Berufsunfälle (UVV Art. 13).

Und deine eigene Fahrzeit als Inhaberin?

Für dich selbst gilt das Arbeitsgesetz in der Regel nicht: Wer selbständig ist, ist keine Arbeitnehmerin. Wer eine GmbH oder AG führt, ist zwar formell angestellt, fällt aber als Person mit höherer leitender Tätigkeit aus dem persönlichen Geltungsbereich (Arbeitsgesetz Art. 3 Bst. d). Ausgenommen sind auch Betriebe, in denen nur der Ehegatte, die eingetragene Partnerin, Verwandte in auf- und absteigender Linie und Stiefkinder mitarbeiten (Art. 4). Deine eigene Fahrzeit ist damit keine Rechtsfrage, sondern eine Rechnung: Diese Zeit kannst du niemandem verrechnen, und darum gehört sie in den Stundenansatz. Wie das geht, steht im Stundenansatz für Handwerker.

So macht es KIDESK

In der Zeiterfassung von KIDESK gibt es neben Datum, von, bis und Pause ein eigenes Feld für die Reisezeit. Beim Verrechnen des Auftrags schlägt KIDESK die erfasste Reisezeit als eigene Zeile «Wegzeit» vor, die du ändern oder streichen kannst. Einen mitlaufenden Timer und eine Standortverfolgung gibt es nicht: Stunden trägst du mit von und bis ein. Freigegebene Stunden sind gesperrt.

Stunden erfassen und freigeben Aufträge in KIDESK

Häufige Fragen

Zählt die Fahrt zwischen zwei Kunden als Arbeitszeit?

Ja. Wer während des Arbeitstags von einem Einsatz zum nächsten fährt, hält sich zur Verfügung des Arbeitgebers und leistet damit Arbeitszeit nach ArGV 1 Art. 13 Abs. 1. Nur der erste Weg am Morgen und der letzte am Abend sind Arbeitsweg, sofern sie zum üblichen Arbeitsort führen.

Muss ich Wegzeit zum vollen Stundenlohn bezahlen?

Das Arbeitsgesetz schreibt keinen Lohn für Wegzeit vor, es sagt nur, ob sie als Arbeitszeit zählt. Der Satz ergibt sich aus dem Arbeitsvertrag oder aus einem GAV. Ohne Abrede ist die naheliegende Auslegung, dass Arbeitszeit wie Arbeitszeit bezahlt wird. Halte die Regel darum schriftlich fest, samt Satz und ab wann die Zeit läuft.

Zählt Fahrzeit zur wöchentlichen Höchstarbeitszeit?

Ja, soweit sie Arbeitszeit ist. Die Höchstarbeitszeit beträgt 50 Stunden pro Woche für die meisten Handwerks- und Baubetriebe und 45 Stunden für Büropersonal und Angestellte (Arbeitsgesetz Art. 9). Eine Ausnahme macht die Rückreise von einem auswärtigen Einsatzort: Dabei dürfen der Zeitraum der täglichen Arbeitszeit und die wöchentliche Höchstarbeitszeit überschritten werden (ArGV 1 Art. 13 Abs. 3). Diese Mehrzeit gilt dann als Überzeit und ist nach Arbeitsgesetz Art. 13 zu entschädigen oder auf Wunsch der Person zu kompensieren (Wegleitung des SECO zu ArGV 1 Art. 13).

Der Monteur fährt mit dem Geschäftsauto von zu Hause los. Ändert das etwas?

Für die Arbeitszeit nicht: Der Weg zum üblichen Arbeitsort bleibt Arbeitsweg, auch im Geschäftsauto. Für die Steuern schon. Darf das Fahrzeug privat genutzt werden, rechnet die Steuerverwaltung pro Monat 0.9 Prozent des Kaufpreises ohne Mehrwertsteuer als Privatanteil, mindestens CHF 150.00, und dieser Satz deckt seit 2022 auch den Arbeitsweg ab.

Wie viel darf ich pro Kilometer entschädigen, wenn jemand sein Privatauto benutzt?

Nach der Wegleitung zum Lohnausweis muss eine Kilometerentschädigung bis 75 Rappen pro Kilometer nicht im Lohnausweis ausgewiesen werden; dieser Ansatz gilt seit dem 1. Januar 2026, vorher waren es 70 Rappen. Das ist eine Obergrenze aus dem Steuerrecht und kein Anspruch: Wie viel du zahlst, ergibt sich aus OR Art. 327b und aus deiner Abmachung.

Quellen

Dieser Text ist eine allgemeine Information für Schweizer Betriebe und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall. Wenn dir ein Fehler auffällt, schreib uns, wir korrigieren ihn.

Alles erledigt, als Illustration im Markengrün

Oder du lässt das ab jetzt KIDESK erledigen.

Offerten, Rechnungen mit QR-Zahlteil und Mahnungen kommen aus KIDESK fertig formuliert und gerechnet heraus. Die ersten 14 Tage kosten nichts und du musst keine Kreditkarte hinterlegen.