Jahrespflege: Einsätze zählen, nicht Stimmungen beschreiben
«Gartenunterhalt nach Bedarf» ist keine Offerte, sondern eine Einladung zum Streit im August. Schreib stattdessen hin, wie oft du kommst und was du dann machst. Der Kunde kann rechnen, du kannst planen, und wenn er die Zahl der Mähgänge reduzieren will, redet ihr über Einsätze statt über deinen Preis.
| Arbeit | Zeitraum | Einsätze | Std. je Einsatz | Std. pro Jahr |
|---|---|---|---|---|
| Rasen mähen, Schnittgut abführen | April bis Oktober | 16 | 1.25 | 20.00 |
| Hecke schneiden, 48 Laufmeter | Juni und September | 2 | 4.00 | 8.00 |
| Beete und Rabatten jäten, Randsteine | April bis Oktober | 8 | 1.50 | 12.00 |
| Frühjahrsputz und Herbstputz, Laub | März und November | 2 | 5.00 | 10.00 |
| Total | 28 | 50.00 |
- 50.00 Std. Pflegearbeiten zu CHF 78.00
- CHF 3'900.00
- Entsorgung Grüngut, geschätzt 14 m3 zu CHF 38.00
- CHF 532.00
- Jahrespauschale ohne MwSt
- CHF 4'432.00
- MwSt 8.1 %
- CHF 358.99
- Jahrespauschale inklusive MwSt
- CHF 4'790.99
Verrechnet wird das am besten in vier Raten zu CHF 1'108.00 ohne Steuer, verteilt über das Pflegejahr, oder in zwölf Monatsraten. Beides hat denselben Zweck: Du wartest nicht bis November auf dein Geld, und der Kunde bekommt keine Rechnung, die ihn im Herbst überrascht. Wie du auf deinen Ansatz kommst, steht unter Stundensatz im Gartenbau kalkulieren.
Entsorgung: die Position, die am häufigsten vergessen geht
Grüngut kostet dreifach: Zeit für das Aufladen, Fahrt zur Annahmestelle und die Annahmegebühr selbst. Die Gebühren setzen die Gemeinden und die Annahmestellen fest, sie sind darum von Ort zu Ort verschieden. Nimm die Entsorgung als eigene Position auf, mit Einheit und geschätzter Menge, und schreib dazu, was passiert, wenn es mehr wird. Drei saubere Varianten:
- Nach Volumen oder Gewicht, also je Kubikmeter oder je 100 Kilogramm, mit einer Schätzmenge in der Offerte und Abrechnung nach effektivem Anfall.
- Als Jahrespauschale in der Pflegepauschale enthalten. Nur machen, wenn du das Objekt kennst: Ein Heckenrückschnitt nach drei Jahren ohne Pflege sprengt jede Pauschale.
- Der Kunde entsorgt selbst über die Grüngutabfuhr der Gemeinde. Dann gehört in die Offerte, dass du das Material bereitstellst, aber nicht abführst, und wer die Container beschafft.
8.1 oder 2.6 Prozent: der Steuersatz-Vorteil deines Gewerks
Das Mehrwertsteuergesetz zählt lebende Pflanzen, Stecklinge, Sämereien, Setzknollen und -zwiebeln sowie Schnittblumen zu den Gegenständen mit dem reduzierten Satz von 2.6 Prozent. Und es sagt ausdrücklich: Gesonderte Rechnungsstellung vorausgesetzt, gilt der reduzierte Satz auch dann, wenn die Lieferung zusammen mit einer Leistung zum Normalsatz erbracht wird (MWSTG Art. 25 Abs. 2 Bst. a Ziff. 5). Wer Pflanzung und Pflanzen in eine einzige Zeile packt, verschenkt diesen Unterschied.
- 12 Stauden zu CHF 9.50, als eigene Position zu 2.6 %
- CHF 114.00 plus CHF 2.96
- Pflanzarbeit 3.00 Std. zu CHF 78.00, zu 8.1 %
- CHF 234.00 plus CHF 18.95
- Rechnungsbetrag mit zwei Positionen
- CHF 369.91
- Dieselben CHF 348.00 in einer Zeile, ganz zu 8.1 %
- CHF 376.19
- Unterschied für den Kunden
- CHF 6.28
Was neben die Jahrespauschale gehört
- Baumarbeiten: Kronenpflege, Rückschnitt, Fällung. Ob ein Baum gefällt werden darf, regeln die Gemeinden unterschiedlich. Schreib in die Offerte, wer eine allfällige Bewilligung einholt und wer die Gebühr trägt.
- Maschineneinsatz als eigene Position: Häcksler, Vertikutierer, Wurzelfräse, Hebebühne. Mit Einheit je Tag oder je Einsatz, damit du nicht den halben Maschinenpark in deinem Stundenansatz versteckst.
- Neuanlagen wie Rasen säen, Platten legen, Zaun setzen. Das ist ein Werk mit einem geschuldeten Erfolg und gehört in eine eigene Offerte, nicht in den Unterhalt.
- Bewässerung: Anlage im Frühling in Betrieb nehmen, im Herbst entleeren. Zwei feste Termine, zwei feste Preise.
- Winterdienst: eigene Offerte mit Bereitschaft, Einsatzpreis und Streumaterial, siehe Offerte Vorlage für Hauswartungen.
Witterung, Verschiebungen und Privatkunden
Gartenarbeit hängt am Wetter, und der Kunde weiss das auch. Trotzdem gehört der Vorbehalt in die Offerte: Einsätze können sich witterungsbedingt verschieben, die vereinbarte Anzahl Einsätze pro Saison bleibt. Ohne diesen Satz erwartet der Kunde den Mähgang am Dienstag, auch wenn es seit Sonntag regnet.
Deine Kundschaft sind häufig Privatpersonen. Unterschreibt jemand die Offerte bei sich zu Hause, in seinem Garten oder nach einem Anruf von dir, kann er den Vertrag innert 14 Tagen widerrufen, wenn die Leistung dem persönlichen oder familiären Gebrauch dient und über CHF 100.00 liegt (OR Art. 40a, 40b und 40e). Über dieses Recht musst du schriftlich informieren (OR Art. 40d). Kein Widerrufsrecht besteht, wenn der Kunde die Vertragsverhandlungen ausdrücklich gewünscht hat, also wenn er dich angerufen und um die Offerte gebeten hat (OR Art. 40c). Mehr dazu unter Widerrufsrecht beim Haustürgeschäft.
So macht es KIDESK
Für Garten- und Grünpflege hältst du in KIDESK das Pflichtenheft zum Kunden: welche Arbeit in welchem Bereich wie oft anfällt, mit Aufwand in Minuten und Fläche. Eine der eingebauten Vorlagen heisst «Gartenunterhalt Liegenschaft». Aus dem Pflichtenheft wird der Offerten-Entwurf mit einer Position je Bereich, und das Pflichtenheft hängt als Beilage an der Offerte. Deine Positionen stehen mit deinen Einheiten im Katalog, also auch Laufmeter, Kubikmeter und Pauschalen. Die Jahrespauschale verrechnet KIDESK als wiederkehrende Rechnung im gewählten Rhythmus, und jede Position kann einen eigenen Mehrwertsteuersatz tragen, damit Pflanzen zu 2.6 Prozent und Arbeit zu 8.1 Prozent auf derselben Rechnung stehen.
Häufige Fragen
Wie viele Einsätze gehören in eine Jahrespflege?
Das hängt am Objekt, nicht an einer Faustregel. Massgebend sind Rasenfläche und Wuchs, Anzahl Laufmeter Hecke, Grösse der Beete und was der Kunde selbst macht. Nimm die Einsätze im ersten Jahr eher knapp an und halte in der Offerte fest, dass zusätzliche Einsätze nach Aufwand verrechnet werden.
Soll ich nach Stunden oder nach Fläche offerieren?
Rechne nach Stunden und zeig in der Offerte, wie viele Einsätze diese Stunden ergeben. Flächenpreise wirken einfach, blenden aber Hanglage, Hindernisse, enge Zugänge und den Zustand des Gartens aus. Genau dort steckt der Unterschied zwischen einer guten und einer verlustreichen Saison.
Muss ich Pflanzen wirklich getrennt ausweisen?
Sobald du Pflanzen zusammen mit deiner Arbeit zum Normalsatz lieferst, ja: Für diesen Fall verlangt das Gesetz die gesonderte Rechnungsstellung, damit der reduzierte Satz von 2.6 Prozent erhalten bleibt (MWSTG Art. 25 Abs. 2 Bst. a Ziff. 5). Stehen Pflanze und Pflanzarbeit in einer Zeile, ist das eine Leistung zum Normalsatz. Der Aufwand dafür ist eine zusätzliche Zeile in der Offerte.
Wer zahlt die Entsorgung des Grünguts?
Das ist Verhandlungssache, und darum gehört es in die Offerte. Üblich sind eine eigene Position nach Kubikmeter oder Gewicht mit Abrechnung nach effektivem Anfall, eine Jahrespauschale bei bekannten Objekten, oder die Entsorgung durch den Kunden über die Grüngutabfuhr der Gemeinde.
Was ist der Unterschied zwischen Unterhalt und Neuanlage?
Beim Unterhalt schuldest du regelmässige, sorgfältige Arbeit. Bei einer Neuanlage wie Rasensaat, Plattenweg oder Zaun schuldest du ein fertiges Werk und haftest für Mängel daran. Das sind zwei verschiedene Verträge mit verschiedenen Risiken, und sie gehören in zwei verschiedene Offerten.
Quellen
- Mehrwertsteuergesetz (MWSTG), Art. 25 Abs. 2: reduzierter Steuersatz, Pflanzen und gesonderte Rechnungsstellung
- Mehrwertsteuergesetz (MWSTG), Art. 19: Mehrheit von Leistungen, Kombination ab 70 Prozent
- Obligationenrecht (OR), Art. 40a bis 40e: Widerruf bei Haustürgeschäften
- SECO: Liste der allgemeinverbindlich erklärten Gesamtarbeitsverträge des Bundes
- ESTV: Mehrwertsteuersätze Schweiz
Dieser Text ist eine allgemeine Information für Schweizer Betriebe und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall. Wenn dir ein Fehler auffällt, schreib uns, wir korrigieren ihn.
